Grabbeln am SciFi-Wühltisch. Wer diktiert unsere digitalisierte Arbeitswelt der Zukunft?

Seit diesem Jahr kommt es vermehrt zur Thematisierung unser zukünftigen Arbeitwelt. Wie werden wir in zehn oder zwanzig Jahren arbeiten? Wie bei so vielen modernen Themen, wird Bekanntes und Neues miteinander vermengt und so getan, als ob es nur eine mögliche Zukunft gibt und diese durch klare Maßnahmen reguliert werden muss. Zuerst werden neue Technologien über interne Kanäle kommuniziert, die dann alsbald den Weg in die breite Öffentlichkeit finden. Dabei werden aber nicht wirklich Fakten betrachtet, sondern meist Meinungen derjenigen verbreitet, die sich für Interviews zur Verfügung stellen.

Sicher, man wird sich fragen, was ich hier auf diesem kaum gelesenen Blog anders mache. Im Grunde nichts, außer, dass ich von vornherein deutlich machen möchte, hier ausschließlich meine Meinung niedergeschrieben zu haben. Mir fehlt es an einer langjährigen arbeitswissenschaftlichen Ausbildung wie auch an einem umfassenden Wissen über alle Arbeitsbereiche unserer globalen Wirtschaft. Ich vermute aber mal, dass ich mich dabei in guter Gesellschaft befinde.

Der inflationäre Gebrauch des Begriff ‚Experte‘ (im Grunde schon als Schimpfwort tauglich), kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten an die Öffentlichkeit gehenden Personen von der Digitalisierung (was auch immer das in den Köpfen derjenigen, die diese vorantreiben und derer, die sie nutzen, bedeuten möge) entweder überhaupt keine Ahnung haben oder sich ihr Wissen auf einen kleinen Teil dieses abstrakten Feldes bezieht. Jemand, der eine Taschenlampe nutzt, ist ja auch nicht wirklich ein Experte für Elektrizität …

Zurück zur Arbeitswelt 4.0. Alle berichten über das Arbeiten in der Zukunft: Konzernsprecher*innen, Medienschaffende und Politiker*innen … und nicht zu vergessen etliche Expert*innen. Allein schon der Glaube, es gäbe DIE Arbeitswelt der Zukunft ist eine Vereinfachung epischen Ausmaßes. Zudem disqualifizert die Verwendung von durch einen Punkt getrennten Ziffern die zu erwartende inhaltliche Qualität jedes Beitrags. Man konfrontiert den staunenden Bürger mit von Maschinen beherrschten Fertigungshallen und humanoiden Robotern in den Dienstleistungsberufen, die bislang durch Menschen repräsentiert werden. Dass die Automatisierung schon seit vielen Jahren die menschliche Arbeitskraft durch präziser arbeitende Maschinen ersetzt, ist nichts wirklich Neues. Es interessierte bislang nur so gut wie niemanden. Es sei denn, man war unmittelbar von Rationalisierungsmaßnahmen in der Fertigung betroffen oder forschte nach, woher das lieb gewonnene Auto oder Smartphone eigentlich stammt. Die allermeisten Arbeitsplätze sind inzwischen im Büro angesiedelt. Da kann man schon mal den Überblick über industrielle Prozesse verlieren.

Unangenehmer wird es natürlich, wenn man sich vorstellen müsste, den eigenen Arbeitsplatz an einen humanoiden Roboter zu verlieren. Das ist dann schon eher emotionaler Zündstoff. Darüber kann man berichten … wie jüngst in der ARD-Themenwoche ‚Zukunft der Arbeit‘ … egal, ob es widersinnig oder sensationsheischend ist.

Jaja, ich weiß … ein Hund, der einen Passanten beißt, ist keine Nachricht. Ein Passant, der einen Hund beißt hingegen schon. Aber statt sich an Science Fiction-Dystopien zu bedienen (die ich übrigens sehr gerne in der Literatur oder im Film konsumiere), sollte man den staunenden TV-Zuschauer, Zeitungsleser oder Netz-Konsumenten nicht vergessen lassen, dass es noch den Faktor Zeit gibt. Niemand, der sich mit Technikgeschichte auseinandersetzt, kann ernsthaft behaupten, dass durch innovative Technologien, seien sie auch noch so disruptiv, alle Arbeitnehmer auf einen Schlag ihren Job losgeworden sind.

Statt verallgemeinernd und dramatisierend Technik-Visionen zu verbreiten, könnte die hier aufgebrachte Energie wesentlich besser eingesetzt werden. Dann bliebe uns so manches Interview erspart. Wie wäre es mal mit dem Aufzeigen von Möglichkeiten, wie sich jeder in seiner individuellen Arbeitswelt auf die neuen Prozesse einstellen könnte? Verständlicherweise hat das den Sex-Appeal eines umfallenden Sacks Reis. Wie wäre es aber, wenn auch der Journalismus sich daran beteiligen würde, an den berichteten Um-/Missständen etwas ändern zu wollen? Ach ja, das gibt es ja bereits … perspective daily … es wäre aber schön, wenn das Schule machen würde.

Die Medienberichterstattung arbeitet durch ihre bilddominierten und sensationsorientierten Produkte den Politikern zu, sich ausschließlich um simple Lösungen bemühen zu müssen. Es ist natürlich viel einfacher, Gesetzesänderungen einzufordern, als dafür Sorge zu tragen, dass die Menschen umfassend ausgebildet und informiert werden. Das kurzfristige Denken ist selbstverständlich der schnelllebigen Politikrealität geschuldet. Würden die Politiker*innen aber in den Medien mehr Unterstützung durch ausführliche Informationen finden, müssten sie nicht zu an Schnappatmung leidenden Wut-Politiker mutieren.

Es ist völlig unbestritten, dass global agierende Großkonzerne durch Regulierungsmaßnahmen daran gehindert werden müssen, all das zu tun, was ihnen aufgrund ihrer Marktposition möglich wäre. Es steht außer Frage, dass kein Konzern sich prioritär um das Wohl seiner Konsumenten kümmert … der Staat sollte das allerdings sehr wohl.

Andererseits ist es unbestritten, dass personalisierte Daten sehr viel Geld wert sind und die entsprechenden Unternehmen damit noch mehr Geld machen. Diese Daten werden aber von den Nutzern zumeist freiwillig … sagen wir es gemeinsam: FREI-WILLIG … übergeben. Dass das so ist, liegt natürlich an perfiden Marktstrategien, aber auch daran, dass die meisten Nutzer nicht wissen, was mit ihren Daten passiert und wo es Alternativen für ihre Nutzungs- und Konsumgewohnheiten gibt. Nutzerverhalten regulieren zu wollen ist hierbei keine Alternative.

Mein (völlig unbedeutender) Vorschlag an die Medienschaffenden wäre:

Zeigt mehr Alternativen auf, die jede*r Nutzer*in hat, um seine/ihre Nutzungsgewohnheiten zu befriedigen. Z.B. echte Crowd-basierte Technologie, in der die Daten keinem monopolisierten Konzern gehören. Zeigt auf, wie sich jede*r durch Fortbildung an die sich wandelnden Umstände anpassen kann. Das wäre eine konstruktive Vision für eine zukünftige Arbeitswelt: statt die Abschaffung von Berufen zu prognostizieren, lieber Szenarien aufzeigen, bei der sich die Arbeitnehmer ständig anpassen könnten. Von der Etablierung alternativer Arbeitszeitmodelle möchte ich gar nicht erst anfangen.

Besser wäre es auch, wenn sich Politiker nicht mit kurzfristigen Maßnahmen in Sachen Digitalisierung und Bildung beschäftigen müssten. Es ist leider nicht damit getan, Kurse im Programmieren verpflichtend zu machen, PCs für Schulen anzuschaffen und WLAN flächendeckend zu installieren. Bildung in einer Welt, die von digitalen Medien dominiert ist, sollte auf detaillierte Informationsvermittlung setzen, die nicht mit einer Reportage oder einem C++-Kurs erledigt sein kann.

Statt überzogene Horrorszenarien zu zeichnen, auf die jeder nur emotional reagieren kann, leitet doch bitte zur Abwechslung die Politiker*innen an, wie man dauerhafte Prozesse in Gang bringt, die jeden an einer „digitalen Zukunft“ aktiv teilhaben lassen.

 

Twitter … und weshalb wir gerne tweeten

twitter

Man sollte nicht meinen, dass es noch immer Menschen gibt, die keinen Sinn darin sehen, Twitter zu nutzen. Die Betonung liegt auf „nutzen“, denn um einen Nutzen geht es vielen, die über Twitter regelmäßig zwitschern.

Sicher, man könnte den Microblogging-Dienst auch als eine nur für schnell „hingerotzte“ Textfetzen zu nutzende Social-Media-Plattform diffamieren … das wäre aber unrichtig und zudem gemein.

Deshalb ist die (nicht erste und auch wohl nicht letzte) auf dem Tweet von Johann Boresch aufbauende Blogparade Nenn mir einen Grund, warum du so gerne bei Twitter bist auch zehn Jahre nach dem Launch von Twitter noch immer zeitgemäß.

Da für mich die Kernfunktion von Twitter im Informationsaustausch innerhalb einer Gruppe liegt, die sich durch eine oder mehrere gemeinsame Interessen/Eigenschaften auszeichnet, steht eindeutig der Nutzen dieser Information im Vordergrund.

Die von Tina Gallinaro bereits gesammelten Gründe teile ich größtenteils uneingeschränkt und möchte hier noch drei weitere Gründe hinzufügen:

Fortsetzung zu 101 Gründe, warum man twittert:

  • Weil man auf Menschen trifft, die gerne hilfreiche Informationen ohne Bedingungen verschenken
  • Weil man sich darüber freut, wenn sich andere über die geteilten Informationen freuen
  • Weil man in seinen eigenen Gedanken der Vergangenheit stöbern kann

Der rosa Elefant – TV-Medienberichterstattung – Dilettantisch, panisch, fahrlässig

rosa Elefant
Man sollte meinen, erfahrene Anchormen und Nachrichtenmagazin-Redaktionen im TV hätten schon so viele Situationen in ihrem journalistischen Berufsleben durchgemacht, dass sie eigentlich nicht mehr viel überfordern könnte.

Doch die TV-Berichterstattung vom 22.07.2016 zur Schießerei mit mehrfacher Todesfolge in München machte deutlich, dass Erfahrung nicht vor Fehler schützt.

Was genau soll eine stundenlange „Berichterstattung“ in einer Situation, bei der noch niemand einen Überblick über die Situation hat? Ich kann nur mutmaßen, dass insbesondere RTL mit Peter Kloeppel darauf gehofft hat, dass sich während des Sinnfrei-Sende-Marathons etwas Dramatisches ereignen würde. Das ist für mein Dafürhalten kein journalistisch moralisches Verhalten, sondern reine Sensationslüsternheit: Man muss nur lange genug den „Ball in der Luft halten“, dann wird schon irgendjemand eine Aufnahme zeigen können, bei der ein Mensch zu Schaden kommt und wir sind dann die Ersten. Wenn dann aber aufgrund (noch) fehlender Informationen (als reiner Pausenfüller) lediglich (ungeprüfte) Falschmeldungen über das Fernsehen verbreitet werden oder noch besser, in einer Endlosschleife Reporter vor die Kamera gezerrt werden, die immer wieder die Nicht-Information verbreiten, es gäbe noch nichts Konkretes zu berichten, macht die Überforderung etablierter Nachrichtenredaktionen deutlich.

Doch der eigentliche Vorwurf ist, dass Schlagworte kontextlos in die Medienöffentlichkeit „erbrochen“ werden, die jeglicher Faktengrundlage entbehren. Was für einen Zweck haben Aussagen, die davon handeln, dass man noch nicht wisse, ob es sich um mehrere Täter handele? Oder man noch nicht sagen könne, ob an mehreren Plätzen der Stadt zeitgleich Schüsse gefallen seien!? Die Assoziation mit bekannten Abläufen terroristischer Anschläge ist hierbei sicher kein Zufall, sondern bewusste Suggestion.

Aber nicht nur RTL beschämte den journalistischen Berufsstand, auch Claus Kleber vom ZDF machte durch sein Verhalten dem Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins (dem einzigen Medienprofi in dieser Situation, der genau das gemacht hat, was sein Job war) gegenüber deutlich, wie überheblich die „4. Gewalt“ sein kann, wenn sie nicht die Kontrolle erhält.

Von den ungeprüften Plagiaten in der durchlaufenden Bauchbinde bei n-tv muss ich gar nicht erst anfangen, denn hier kann wirklich ALLES (wie z.B. ein gesichteter mutmaßlicher Täter im Weihnachtsmannkostüm) ungestraft kommuniziert werden. Ein solcher Newsticker darf sich nicht als „Nachricht“ tarnen, sondern muss als social-media-stream kenntlich gemacht werden, damit jeder die potentielle Qualität der Information korrekt einschätzen kann. Denn bedauerlicherweise vertrauen TV-Zuschauer den Informationen, die über die Mattscheibe flimmern mehr als einem Facebook-Posting oder Tweet.

Es stimmt mich sehr wütend, dass etablierte Profis wie aufgescheuchte Hühner Desinformation verbreiten und damit der Panik und stereotyper Meinungsmache Vorschub leisten. Im Grunde ist es inzwischen vollkommen gleichgültig, ob man pseudonymen Tweets Glauben schenkt oder dem ungefilterten und ungeprüften Mutmaßungen ausgebildeter TV-Journalisten lauscht. In beiden Fällen obliegt es dem Rezipienten, mit seinen bescheidenen Möglichkeiten die Wahrheit selbst zu recherchieren, was in letzterem Szenario nicht sein dürfte. So genannter „Qualitätsjournalismus“ im Fernsehen wäre gut beraten, erst Informationen zu verbreiten, wenn sie verifiziert worden ist, anstatt sinnfreie Gerüchte in die Köpfe der Zuschauer zu pflanzen, nach dem Prinzip: Denken Sie jetzt bloß nicht an einen rosa Elefanten …

Ich werde das (leider) nächste Mal besser dem Twitter-Account der ortsansässigen Polizei folgen, anstatt den Fernseher anzuschalten! TV-Nachrichten haben sich wohl doch schon selbst abgeschafft.

Der Papst als gutes Beispiel für die Wissenschaftskommunikation

Tobias Maier schildert in seinem Blog-Posting ‚Was der Papst kann können wir schon lange. Wissenschaftskommunikation in den Sozialen Medien‘, wie die Wissenschaftskommunikation vom Papst lernen kann.

Das mag zwar abwegig erscheinen, da die Katholische Kirche außerhalb der Theologie eher weniger wissenschaftsaffin zu sein scheint (Ausnahmen bestätigen allerdings auch hier die Regel), dennoch steckt hinter diesem Vergleich mehr als man auf den ersten Blick erwarten würde.

Für den Einblick in den Workshop ‚Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation‘ der Akademien (Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und Union der deutschen Akademien der Wissenschaften) gebührt @weitergen mein Dank.

In der Tat deckt sich diese Einschätzung mit meinen eigenen Erfahrungen, sowohl auf die “sozialen” Medien in der Wissenschaftskommunikation wie auch auf die altehrwürdigen Wissenschaftsorganisationen als solche bezogen.
Gerade die Nennung der ebenfalls als nicht besonders “flexibel” einzustufenden Katholischen Kirche ist als Vergleich mit den großen und trägen “Tankern” der Wissenschaft hervorragend dazu geeignet, die Möglichkeiten, die sich einem hier bieten können, aufzuzeigen.

Wenn sich schon der @pontifex dazu “herablässt”, seine “social community” per “social media” zu erreichen, fällt es womöglich den Vertretern anderer traditionellen Instanzen (die im Grunde als wissenschaftliche Vertreter Vorreiter vor den religiösen Vertretern sein sollten) einfacher, auch einmal über den eigenen Schatten zu springen.

Dennoch muss man es wohl vorläufig hinnehmen, dass es auf institutioneller Ebene etwas gemächlicher zugeht als bei einzelnen sendungsbewussten Wissenschaftlern und wissenschaftlich Interessierten – wenngleich sogar die DFG (@dfg_public) schon das Zwitschern entdeckt hat. Es ist überdies als ein mutiges Unterfangen einzustufen, dass sich die Akademien diesem Thema kritisch in einem Workshop widmen … Tagungen wären der nächste Schritt. Und die Tatsache, dass hierbei eher Skepsis der Motor zu sein scheint und nicht ein innovativer Geist, ist durchaus als Naturkonstante zu betrachten.

Kein kommunikativer und sendungsbewusster Wissenschaftler sollte sich aber davon entmutigen lassen. Vielmehr ist beständiges “Hämmern” von unten die Devise. Sollten sich die Vorteile (Chancen) gegenüber den Nachteilen (Risiken) durchsetzen und die Nutzer die Verweigerer mit purer Pragmatik überzeugen können, wird sich die kommunikative Evolution auf natürliche Weise ihren Weg durch die Wissenschaften bahnen. Da bin ich eher Optimist.

Ergänzend zu der von Tobias Maier aufgeführten Liste, würde ich gerne noch de.hypotheses.org bzw. hypotheses.org als hervorragende Plattform für Wissenschaftskommunikation nennen.

Wird das Netz vielleicht doch von Psychopathen beherrscht?

Die Kombination des Beitrags vom 14.01.2015 auf nano und die These 9 („Das Netz begünstigt die Genialen, die Rücksichtslosen, die Privilegierten, Demokratie begünstigt das Mittelmaß“) (Weniger Freiheit, mehr Geheimnis, 15.01.2015) von Alexandra Borchardt (Süddeutsche Zeitung) stimmt mich nachdenklich …

Sind vielleicht die führenden, ach so risikobereiten Köpfe der internetbeherrschenden Konzerne nicht kriminell gewordene Psychopathen?

Kommunikations- und Kollaborationszentrale für Einsteiger

Das deutsche Unternehmen QSC AG aus Köln bietet mit cospace ein interessantes kostenloses Paket für die eigene kleine, aber feine Kommunikations- und Kollaborationszentrale an.

Wer noch auf ein Fax zurückgreifen möchte, der kann sich hier ein virtuelles Fax einrichten lassen. Auch Telefonkonferenzen können mit cospace realsiert werden. Die eigene kleine Cloud zum Austausch von Dateien und personalisierbarer Freigabe erleichtert den Austausch in kleinen Arbeitsgruppen.

Wer also auf deutschem Gesetzesboden und jenseits der großen Datenfresser des Silcon Valleys eine kleine Schaltzentrale einrichten lassen möchte, der sollte sich cospace einmal anschauen.

http://www.ventengo-cospace.de

 

Wetten dass ..!

Zuerst haderte ich mit mir: Ist nicht jedes Wort, das man über diese so genannte Unterhaltungssendung ‚Wetten dass..?‘ verlieren könnte, pure Zeitverschwendung?
Die Antwort ist eindeutig: Ja!

Aber wir verschwenden mit so vielen Unnützlichkeiten unsere Zeit, dass es darauf auch nicht mehr ankommt.

Endlich, endlich ist dieses phänomenale Paradebeispiel des kollektiven Fremdschämens per TV zu Ende gegangen … und das ist auch wirklich, wirklich gut so!

Eine Sendung, deren Popularität nur mit dem allzu menschlichen Drang, sich am Leid anderer (und damit sind Moderatoren, Gäste sowie Saal- und Fernseh-Zuschauer gleichermaßen gemeint) zu erfreuen, erklärt werden konnte und eine logische Fortsetzung des mittelalterlichen Prangers auf dem Marktplatz war, ist zu Ende. Und auch wenn es mir lediglich möglich war (ohne völlig zu verzweifeln oder Möbel zu zerstören), nur wenige (wirklich sehr wenige) Ausschnitte der letzten Sendung zu sehen, konnte ich den Tod des Patienten mit eigenen Augen bestätigen.

Denn auch wenn es sich nur um ein schon seit Jahrzehnten anachronistisches Fernsehformat handelte (mit Frank Elstner hätte es enden sollen!), bekam die Sendung im Laufe ihrer Jahre ein unwürdiges Eigenleben, das an Mary Shelleys Werk erinnerte.

Trotz „Alterserscheinungen“ und „lebensbedrohlicher Krankheiten“, wurden die „Maschinen“ für die am 14. Februar 1981 das Licht der Welt erblickende Show erst am 14. Dezember 2014 (fast 24 Jahre zu spät) in einer unwürdigen Zeremonie abgeschaltet.

Auch wenn mich nun unendliche Erleichterung euphorisiert, quälen mich drei schreckliche Fragen:

1. Wird die Sendung doch noch reanimiert und zum untoten Wiedergänger des deutschen Fernsehens?
2. Was geschieht mit all den Millionen Menschen (!!!), die diese Sendung in all den Jahren gerne gesehen haben? Gelingt ihnen die Resozialisierung (vgl. Truman Show)?
3. Auf welche unwürdige Idee kommen die Öffentlich-Rechtlichen, sobald sie den Trauerschmerz und Schock überwunden haben?

… ich blicke ein wenig ängstlich in die Zukunft …

Qualitätsjournalismus statt Google-Bashing

Den Untergang des Qualitätsjournalismus, was auch immer die jeweilige Branche darunter versteht, besingt die Branche schon seit der ersten pandemischen Zeitungssterbewelle. Und zum Glück wurde jüngst vom Bundeskartellamt verhindert, dass der Grund bei nur einem Verursacher gesucht wird: Google.

Es muss schwer sein, wenn man feststellen muss, dass jahrhundertealte Traditionen beginnen „den Bach runterzugehn“. Die üblichen ersten Reaktionen in solchen Fällen des Medienwandels sind Arroganz, Abschottung, Drohgebärden, Moraldebatten, Gigantomanie und dann Schockstarre … nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Wenn eines die Geschichte der Medien gezeigt hat, dann das, dass die die Medienproduktion unmittelbar beeinflussenden Technologien sich nicht wegreden oder „abwatschen“ lassen. Verdrängung und Konfrontation waren bisher wenig erfolgreich, wie die Musik- und Filmindustrie schmerzhaft erfahren mussten.

So hat es wenig mit Kaffeesatz-Leserei zu tun, wenn man prognostiziert, dass die Presse es mit den gegenwärtigen Kampagnen und Grabenkämpfen ihren Vorgänger-Platzhirschen gleichtut und sich von gönnerhaftem Belächeln neuer Nachrichtendispositive über abwartendes Einschließen hin zu agressivem Konkurrenten-Bashing durchdekliniert.

Im Grunde erinnert dieses Verhalten an die Zeit kurz vor der Reformation, als der Klerus, der sich anfangs dem sich neu entfaltendem Buchdruck sehr positiv zuneigte, ihn plötzlich verfolgte, als klar wurde, dass mit der Veröffentlichung von Schrift alte Machtstrukturen infrage gestellt werden konnten. Es wiederholt sich doch immer wieder … [vgl. Kapp, Friedrich: Geschichte des Deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert, Bd. 1. Leipzig 1886, Kapitel 1: http://de.wikisource.org/wiki/Geschichte_des_Deutschen_Buchhandels_Band_1/Erstes_Kapitel#cite_note-41]

 

Wenn man schon den Gang zum Bundeskartellamt geht, dann doch bitte als Angeklagter, nicht als Kläger. Das würde zumindest zeigen, dass man neue Ideen hat und proaktiv wäre.

Liebe Verleger, der von Google ach so gepeinigten Zeitungsbranche, nutzt Euren derzeitigen Schulterschluss und macht einfach das besser, was Google gerade erfolgreich praktiziert: Konstruiert eine eigene Zeitungssuchmaschine!

Nehmt doch einfach mal genau das Geld in die Hand, das Ihr gerade für Google-Scharmützel verpulvert, engagiert ein aufstrebendes Start-Up-Unternehmen oder versucht mit „alten Hasen“ wie MetaGer (der im Vergleich zu Google wesentlich besseren Suchmaschine für deutschsprachige Seiten!) zu kooperieren. Kombiniert all Eure Zeitungsarchive miteinander und bietet dem Nutzer, der es auf verbindliche, glaubwürdige und qualitativ hochwertige Informationen abgesehen hat, den Fundus, den man bei Google zu finden erhofft … sich aber leider nur allzu oft mit intransparent priorisierten Links zufriedengeben muss, mangels ALTERNATIVE! Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: ausgebildete und erfahrene Vertreter der schreibenden Zunft, lassen sich von dreisten IT-Nerds das Wasser abgraben! Das ist nicht „gefährlich oder „bedenklich“ sondern peinlich!

Hier also meine Bitte:

Nutzt Euer Kapital (und damit meine ich nicht zwangsläufig nur die anghäuften Euro, sondern vor allem journalistisch aufbereitete Informationen) und konkurriert mit Google, statt sich wie trotzige Kinder gegen einen IT-Giganten zu wehren, der mit echter Content-Generierung herzlich wenig zu tun hat.

Es würde mich sehr freuen, wenn die nächste Schlagzeile über ‚Zeitungsverlage‘, ‚Google‘ und ‚Bundeskartellamt‘ davon handelt, dass man sich als Angeklagter vor den Behörden verantworten muss, nachdem man versucht hat, Google das Geschäft streitig zu machen. DAS wäre mutig … und wenn mich nicht alles täuscht, ist Mut ein wichtiger Bestandteil investigativer Presse.