Der Papst als gutes Beispiel für die Wissenschaftskommunikation

Tobias Maier schildert in seinem Blog-Posting ‚Was der Papst kann können wir schon lange. Wissenschaftskommunikation in den Sozialen Medien‘, wie die Wissenschaftskommunikation vom Papst lernen kann.

Das mag zwar abwegig erscheinen, da die Katholische Kirche außerhalb der Theologie eher weniger wissenschaftsaffin zu sein scheint (Ausnahmen bestätigen allerdings auch hier die Regel), dennoch steckt hinter diesem Vergleich mehr als man auf den ersten Blick erwarten würde.

Für den Einblick in den Workshop ‚Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation‘ der Akademien (Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und Union der deutschen Akademien der Wissenschaften) gebührt @weitergen mein Dank.

In der Tat deckt sich diese Einschätzung mit meinen eigenen Erfahrungen, sowohl auf die “sozialen” Medien in der Wissenschaftskommunikation wie auch auf die altehrwürdigen Wissenschaftsorganisationen als solche bezogen.
Gerade die Nennung der ebenfalls als nicht besonders “flexibel” einzustufenden Katholischen Kirche ist als Vergleich mit den großen und trägen “Tankern” der Wissenschaft hervorragend dazu geeignet, die Möglichkeiten, die sich einem hier bieten können, aufzuzeigen.

Wenn sich schon der @pontifex dazu “herablässt”, seine “social community” per “social media” zu erreichen, fällt es womöglich den Vertretern anderer traditionellen Instanzen (die im Grunde als wissenschaftliche Vertreter Vorreiter vor den religiösen Vertretern sein sollten) einfacher, auch einmal über den eigenen Schatten zu springen.

Dennoch muss man es wohl vorläufig hinnehmen, dass es auf institutioneller Ebene etwas gemächlicher zugeht als bei einzelnen sendungsbewussten Wissenschaftlern und wissenschaftlich Interessierten – wenngleich sogar die DFG (@dfg_public) schon das Zwitschern entdeckt hat. Es ist überdies als ein mutiges Unterfangen einzustufen, dass sich die Akademien diesem Thema kritisch in einem Workshop widmen … Tagungen wären der nächste Schritt. Und die Tatsache, dass hierbei eher Skepsis der Motor zu sein scheint und nicht ein innovativer Geist, ist durchaus als Naturkonstante zu betrachten.

Kein kommunikativer und sendungsbewusster Wissenschaftler sollte sich aber davon entmutigen lassen. Vielmehr ist beständiges “Hämmern” von unten die Devise. Sollten sich die Vorteile (Chancen) gegenüber den Nachteilen (Risiken) durchsetzen und die Nutzer die Verweigerer mit purer Pragmatik überzeugen können, wird sich die kommunikative Evolution auf natürliche Weise ihren Weg durch die Wissenschaften bahnen. Da bin ich eher Optimist.

Ergänzend zu der von Tobias Maier aufgeführten Liste, würde ich gerne noch de.hypotheses.org bzw. hypotheses.org als hervorragende Plattform für Wissenschaftskommunikation nennen.

Wird das Netz vielleicht doch von Psychopathen beherrscht?

Die Kombination des Beitrags vom 14.01.2015 auf nano und die These 9 („Das Netz begünstigt die Genialen, die Rücksichtslosen, die Privilegierten, Demokratie begünstigt das Mittelmaß“) (Weniger Freiheit, mehr Geheimnis, 15.01.2015) von Alexandra Borchardt (Süddeutsche Zeitung) stimmt mich nachdenklich …

Sind vielleicht die führenden, ach so risikobereiten Köpfe der internetbeherrschenden Konzerne nicht kriminell gewordene Psychopathen?

Kommunikations- und Kollaborationszentrale für Einsteiger

Das deutsche Unternehmen QSC AG aus Köln bietet mit cospace ein interessantes kostenloses Paket für die eigene kleine, aber feine Kommunikations- und Kollaborationszentrale an.

Wer noch auf ein Fax zurückgreifen möchte, der kann sich hier ein virtuelles Fax einrichten lassen. Auch Telefonkonferenzen können mit cospace realsiert werden. Die eigene kleine Cloud zum Austausch von Dateien und personalisierbarer Freigabe erleichtert den Austausch in kleinen Arbeitsgruppen.

Wer also auf deutschem Gesetzesboden und jenseits der großen Datenfresser des Silcon Valleys eine kleine Schaltzentrale einrichten lassen möchte, der sollte sich cospace einmal anschauen.

http://www.ventengo-cospace.de

 

Wetten dass ..!

Zuerst haderte ich mit mir: Ist nicht jedes Wort, das man über diese so genannte Unterhaltungssendung ‚Wetten dass..?‘ verlieren könnte, pure Zeitverschwendung?
Die Antwort ist eindeutig: Ja!

Aber wir verschwenden mit so vielen Unnützlichkeiten unsere Zeit, dass es darauf auch nicht mehr ankommt.

Endlich, endlich ist dieses phänomenale Paradebeispiel des kollektiven Fremdschämens per TV zu Ende gegangen … und das ist auch wirklich, wirklich gut so!

Eine Sendung, deren Popularität nur mit dem allzu menschlichen Drang, sich am Leid anderer (und damit sind Moderatoren, Gäste sowie Saal- und Fernseh-Zuschauer gleichermaßen gemeint) zu erfreuen, erklärt werden konnte und eine logische Fortsetzung des mittelalterlichen Prangers auf dem Marktplatz war, ist zu Ende. Und auch wenn es mir lediglich möglich war (ohne völlig zu verzweifeln oder Möbel zu zerstören), nur wenige (wirklich sehr wenige) Ausschnitte der letzten Sendung zu sehen, konnte ich den Tod des Patienten mit eigenen Augen bestätigen.

Denn auch wenn es sich nur um ein schon seit Jahrzehnten anachronistisches Fernsehformat handelte (mit Frank Elstner hätte es enden sollen!), bekam die Sendung im Laufe ihrer Jahre ein unwürdiges Eigenleben, das an Mary Shelleys Werk erinnerte.

Trotz „Alterserscheinungen“ und „lebensbedrohlicher Krankheiten“, wurden die „Maschinen“ für die am 14. Februar 1981 das Licht der Welt erblickende Show erst am 14. Dezember 2014 (fast 24 Jahre zu spät) in einer unwürdigen Zeremonie abgeschaltet.

Auch wenn mich nun unendliche Erleichterung euphorisiert, quälen mich drei schreckliche Fragen:

1. Wird die Sendung doch noch reanimiert und zum untoten Wiedergänger des deutschen Fernsehens?
2. Was geschieht mit all den Millionen Menschen (!!!), die diese Sendung in all den Jahren gerne gesehen haben? Gelingt ihnen die Resozialisierung (vgl. Truman Show)?
3. Auf welche unwürdige Idee kommen die Öffentlich-Rechtlichen, sobald sie den Trauerschmerz und Schock überwunden haben?

… ich blicke ein wenig ängstlich in die Zukunft …

Qualitätsjournalismus statt Google-Bashing

Den Untergang des Qualitätsjournalismus, was auch immer die jeweilige Branche darunter versteht, besingt die Branche schon seit der ersten pandemischen Zeitungssterbewelle. Und zum Glück wurde jüngst vom Bundeskartellamt verhindert, dass der Grund bei nur einem Verursacher gesucht wird: Google.

Es muss schwer sein, wenn man feststellen muss, dass jahrhundertealte Traditionen beginnen „den Bach runterzugehn“. Die üblichen ersten Reaktionen in solchen Fällen des Medienwandels sind Arroganz, Abschottung, Drohgebärden, Moraldebatten, Gigantomanie und dann Schockstarre … nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Wenn eines die Geschichte der Medien gezeigt hat, dann das, dass die die Medienproduktion unmittelbar beeinflussenden Technologien sich nicht wegreden oder „abwatschen“ lassen. Verdrängung und Konfrontation waren bisher wenig erfolgreich, wie die Musik- und Filmindustrie schmerzhaft erfahren mussten.

So hat es wenig mit Kaffeesatz-Leserei zu tun, wenn man prognostiziert, dass die Presse es mit den gegenwärtigen Kampagnen und Grabenkämpfen ihren Vorgänger-Platzhirschen gleichtut und sich von gönnerhaftem Belächeln neuer Nachrichtendispositive über abwartendes Einschließen hin zu agressivem Konkurrenten-Bashing durchdekliniert.

Im Grunde erinnert dieses Verhalten an die Zeit kurz vor der Reformation, als der Klerus, der sich anfangs dem sich neu entfaltendem Buchdruck sehr positiv zuneigte, ihn plötzlich verfolgte, als klar wurde, dass mit der Veröffentlichung von Schrift alte Machtstrukturen infrage gestellt werden konnten. Es wiederholt sich doch immer wieder … [vgl. Kapp, Friedrich: Geschichte des Deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert, Bd. 1. Leipzig 1886, Kapitel 1: http://de.wikisource.org/wiki/Geschichte_des_Deutschen_Buchhandels_Band_1/Erstes_Kapitel#cite_note-41]

 

Wenn man schon den Gang zum Bundeskartellamt geht, dann doch bitte als Angeklagter, nicht als Kläger. Das würde zumindest zeigen, dass man neue Ideen hat und proaktiv wäre.

Liebe Verleger, der von Google ach so gepeinigten Zeitungsbranche, nutzt Euren derzeitigen Schulterschluss und macht einfach das besser, was Google gerade erfolgreich praktiziert: Konstruiert eine eigene Zeitungssuchmaschine!

Nehmt doch einfach mal genau das Geld in die Hand, das Ihr gerade für Google-Scharmützel verpulvert, engagiert ein aufstrebendes Start-Up-Unternehmen oder versucht mit „alten Hasen“ wie MetaGer (der im Vergleich zu Google wesentlich besseren Suchmaschine für deutschsprachige Seiten!) zu kooperieren. Kombiniert all Eure Zeitungsarchive miteinander und bietet dem Nutzer, der es auf verbindliche, glaubwürdige und qualitativ hochwertige Informationen abgesehen hat, den Fundus, den man bei Google zu finden erhofft … sich aber leider nur allzu oft mit intransparent priorisierten Links zufriedengeben muss, mangels ALTERNATIVE! Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: ausgebildete und erfahrene Vertreter der schreibenden Zunft, lassen sich von dreisten IT-Nerds das Wasser abgraben! Das ist nicht „gefährlich oder „bedenklich“ sondern peinlich!

Hier also meine Bitte:

Nutzt Euer Kapital (und damit meine ich nicht zwangsläufig nur die anghäuften Euro, sondern vor allem journalistisch aufbereitete Informationen) und konkurriert mit Google, statt sich wie trotzige Kinder gegen einen IT-Giganten zu wehren, der mit echter Content-Generierung herzlich wenig zu tun hat.

Es würde mich sehr freuen, wenn die nächste Schlagzeile über ‚Zeitungsverlage‘, ‚Google‘ und ‚Bundeskartellamt‘ davon handelt, dass man sich als Angeklagter vor den Behörden verantworten muss, nachdem man versucht hat, Google das Geschäft streitig zu machen. DAS wäre mutig … und wenn mich nicht alles täuscht, ist Mut ein wichtiger Bestandteil investigativer Presse.

Macht Fußball einsam?

Gleich zu Beginn:
Ich bin kein (!) Experte, was Fußball angeht … PUNKT!

Aber zuletzt wurde ich mit der Frage konfrontiert, ob die sozialen Medien das Zuschauverhalten bei der Fußball-WM verändern? Ob es neue Wechselwirkungen zwischen dem Zuschauen und Social-Media-Aktivitäten geben könnte? Ob man in Zukunft vielleicht auf reale Public-Viewing-Events verzichten wird, da man die Spiele von überall verfolgen kann? Ob die Partizipation über soziale Plattformen das Rezeptionsverhalten des Fußball-Fans verändern wird?

Nun, da es sich bei der Fußball-WM zweifelsohne um ein Massenphänomen handelt und man diese wegen ihrer potentiellen Wirksamkeit immer besonders kritsch betrachten muss, machte ich mir ein paar resümierende Gedanken dazu:

Fußball und insbesondere eine WM funktionieren fast nur in der Gemeinschaft. Ob diese Gemeinschaft real oder virtuell ist, ist eher zweitrangig und ihre Attraktivität abhängig von den Rezeptions- und Partizipationsvorlieben der Fans. Fußball alleine zu schauen und ihn für sich zu behalten macht wenig Sinn, noch weniger Spaß und klingt irgendwie sehr traurig.

Die Realisierung von realen Gruppen- oder Massenphänomenen in einer IT-gestützten Plattform ist bislang immer unvollständig und weniger vom gleichzeitigen Erleben von Emotionen und Reaktionen als von linear rezipierbaren Medienformaten bestimmt, die lediglich dazu geeignet sind, den Rezipienten zu informieren oder eine wie auch immer geartete Teilnahme am Geschehen zu suggerieren.

Das umfassende Erleben eines Fußballspiels erfordert entweder die Anwesenheit des Zuschauers im Bad der restlichen Zuschauermenge im Stadion oder ein durch Technik unterstütztes Mediendispositiv, bei dem technische und menschliche Parameter in einer Weise zusammenspielen, dass der Rezipient nicht darüber nachdenkt, nicht im Stadion zu sein, sich also in einer hochimmersiven Fußballspielumgebung befindet.

Allein, tippend und wischend vor einem mobilen Endgerät ist ein derart immersiver Zustand (noch!) nicht herbeiführbar.
Nichtsdestotrotz ermöglichen schnelle Internetverbindungen und Displays von Smartphones und Tablets mit hoher Auflösung wesentlich einfacheren, luxuriösen und ubiquitären Zugang zu synchronen und asynchronen Medieninformationen, die fast jeden Fan zu einem Fußballexperten machen können. Zum ’normalen‘ TV parallel aufgestellte Displays mit gestreamten Trainer-Cams können durchaus bereichernd sein, wenngleich sie meist zeitversetzt senden.

Wo früher nur das Fernsehen und Radio synchron und Printmedien asynchron informieren konnten (man denke nur ein paar Jahre zurück, als der Urlaub im Ausland für den Fußball-Fan und seine unmittelbare Umgebung eine mittelschwere Katastrophe darstellte und sofern man nicht über einen Weltempfänger verfügte auf schwer zugängliche und veraltete Zeitungen angewiesen war), offerieren heute zahlreiche Internetquellen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und variierender Informationstiefe derlei viel Material, dass man sich optimal für das reale Zuschauererlebnis vorbereitet fühlt, das man dann mit anderen „echt“ und „live“ wesentlich intensiver und umfangreicher teilen kann, als es derzeit vor einem mobilen Gerät möglich wäre.

Also, auch wenn ich nicht im Besitz diverser Fußball-Devotionalien bin und kein Fußballerblut in meinen Venen zirkuliert, kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt den Untergang des realen Fußballerlebnisses nicht erkennen. Nicht, dass ich es vermissen würde, während Fußball-Großereignissen zu jeder Zeit und überall damit konfrontiert zu werden … doch ich werde mich wohl noch eine ganze Weile mit hupenden Autokorsos, gröhlenden Fans, beflaggten Straßenzügen, spontan zusammengestellten Imbiss- und Getränke-Ständen bei Großbildleinwänden, Feuerwerksraketen im Sommer und sinnfreien Fußball-Small-Talks mit selbsternannten Fußball-Profis abfinden müssen.

Eines ist ja zum Glück gewiss: Auch eine Fußball-WM geht vorbei …

IT-Archäologie – Wie man es nicht macht

kategorie_digitalIch bin eigentlich ein Freund nostalgischer Erinnerungen an frühere IT-Zeiten. Es hat etwas Erhabenes an sich, wenn man das Modell eines alten Computers in Händen hält, das man selbst in jungen Jahren leidvoll und fasziniert zugleich benutzen konnte/musste. Ich denke da an Mainstream-Nostalgiegeräte wie den C64 oder Schneider CPC, aber auch an Skurrilitäten wie den Oric Atmos, die heute eher wie ein Computer-Baukasten für echte Bastler wirken. Ich denke da an das beklemmende Gefühl vor einer ausrangierten CRAY im Konrad-Zuse-Zentrum Berlin oder an die visionären Gedankenspiele beim Betrachten der Skizzen zu Vannevar Bushs Memex.

Wie schön wäre es, ein neues Kapitel in den Annalen der IT aufschlagen zu können, wenn z.B. eine Zeitkapsel aus dem … sagen wir Jahr 1983 gefunden worden wäre, die angeblich die begrabenen Beigaben der Konferenzeteilnehmer der Aspen International Design Conference beinhalten sollte, zu denen auch Steve Jobs zählte.

Es könnte ein wunderbares Kapitel für die Annalen werden … oder zumindest ein schöner Absatz … denn die Kapsel galt als verschollen, was dem Ganzen noch etwas Geheimnisvolleres zugestand …

… doch dann machen sich ein paar Helme tragenden Menschen („diggers“) mit der Unterstützung von National Geographic auf, die verschollen geglaubte Kapsel zu finden und zu bergen … und die Episode wird zu einer unfreiwillig komischen „Show„, wie es nur vor Pathos und Entertainmment-Drang strotzende US-Amerikaner schaffen können.

Die einem schlechten Tele-Shopping-Clip gleichende „Doku“ findet sich hier.

Danke … mein Bedarf an „Nostalgie“ ist nun für geraume Zeit gedeckt!

 

Hybris oder Zeitgeist?

kategorie_gesellschaftEs gibt zahlreiche Wege glücklich zu werden. Wer dieses Glück in der Arbeit sucht, wird unter einer Vielzahl von Alternativen wählen müssen, in der Hoffnung, sich richtig zu entscheiden und letzten Endes ihr/sein Glück zu finden.

Der gesunde Menschenverstand sagt einem (sofern man zuhören möchte), dass es nicht nur einen (!) Weg zu einem erfüllten Arbeitsleben führt. Die ein oder andere Profilierungskampagne aus der Politik mag das einen zwar zwischenzeitlich vergessen lassen, wenn man die vehemente Unterstützung einer weiter zu steigerenden Akademisierung der Bundespolitik betrachtet, aber nach der pragmatischen Einsortierung dieser Politik, wird schnell klar, dass das nicht die eierlegende Wollmilchsau sein kann. In der Diversität liegt die Wahrheit … aber das möchte keiner der Lobbyisten gerne hören. Es gehört schließlich zum ‚Trommeln‘ dazu, die eigenen Ansichten, das eigene Fach, die eigene Branche zu priorisieren und gnadenlos über das Ziel hinauszuschießen, um unterm Strich mehr für sich herauszuschlagen … klare Verkaufsstrategie, wogegen nichts einzuwenden ist.

Doch was passiert, wenn man über den Zeitraum der Kindheit und Jugend eines Menschen ihr/ihm suggeriert, sie/er sei etwas ganz Besonderes … hätte viel Potential … müsse die bestmögliche Unterstützung bekommen … sei zu Höherem berufen … werde nur glücklich, wenn man den bestbezahlten Arbeitsplatz anstrebe?

Leider begegnen einem die Resultate dieser „Strategie“ häufig in Hörsälen bzw. Seminarräumen von Hochschulen. Ständig muss man sich sagen: Die Armen … sie können ja nichts dafür … dass sie so sind, wie sie sind … sie sind doch nur Opfer überbeanspruchter Lehrer, ihrer Helikopter-Eltern, des Bildungssystems oder gar der ganzen Weltwirtschaft. Wer hier die Verantwortung zu übernehmen hat, vermag ich nicht zu sagen. Ich kann nur feststellen, dass ich mit den „Produkten“ beizeiten umzugehen genötigt bin.

Ein „nettes“ Beispiel las ich am 21.12.2013 im Ressort ‚Studium‘ der ZEIT ONLINE‘: Studienabbrecher und froh darüber. Allein die Tatsache, dass dieser Beitrag bei der ZEIT ONLINE erschien, lässt einige Schlüsse über den deutschen Journalismus zu. Aber ich möchte hier in keinster Weise heiteres Journalisten-Bashing praktizieren. Diesmal geht es um etwas anderes: Es geht um die Tatsache, dass ein junger Mensch, hier der junge Redakteur Ruben Karschnick, an eine Universität seiner Wahl ging, nur um im Laufe seiner drei Semester Politikwissenschaften festzustellen, dass er dort nichts Praktisches lerne, spricht Bände.

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal der Lage: Eine Universität hat genau welchen Zweck? Soll sie junge Menschen für einen Beruf ausbilden? Eigentlich doch nicht … dafür sieht das Bildungssystem die Lehre und auch die Fachhochschulen vor. Was tut die alma mater aber dann? Natürlich soll sie künftige Wissenschaftler ausbilden … gut, aber nicht jeder Uni-Absolvent kann Wissenschaftler werden … zumal das Wissenschaftszeitvertragsgesetz in Deutschland dafür sorgt, dass die „Mutter“ ihre Kinder nach sechs bzw. zwölf Jahren in die weite Welt (ggf. auch in prekäre Verhältnisse und Arbeitslosigkeit) entlässt (böse Zungen würden eher sagen, sie werfe sie aus dem Haus). Natürlich steht nach einem Studium in den meisten Fällen die Erwebstätigkeit … also die Annahme eines Arbeitsvertrags … womit man gemeinhin den Weg in den Beruf meint. Also steht doch der Beruf am Ende des Studiums? Ja, aber eigentlich nur am Ende … nicht am Anfang. Also dient das Studium dem Finden der eigenen Interessen, Talente und Ziele. Denn nur dort, wo man mit Herzblut dahintersteht, kann man wirklich gut und glücklich werden. So die Theorie … vielleicht auch nur meine.

Leider ist die Realität nach flächendeckender Realisierung des B.A./M.A.-Systems eine leicht andere … denn was soll man während eines komprimierten, zum Teil gehetzten Schul-Studiums von jungen Menschen anderes erwarten, als dass sie sich auf das Wesentliche konzentrieren: ECTS-Punkte und den Abschluss. Die nach meiner Ansicht eigentlich zu bewältigende Aufgabe während des Hochschulstudiums, das Finden der individuellen Befähigung, muss hierbei zwangsläufig in Vergessenheit geraten. Natürlich kann dies trotz dieser widrigen Umstände dennoch geschehen … als Zufallsprodukt sozusagen. Meist aber nur dann, wenn die/den Studierende/n die eigene Lebenslage dazu zwingt, länger als die vermeintliche Regelstudienzeit zu studieren. Beizeiten geht da der/dem ein oder anderen ein Licht auf … und man erkennt vage, weshalb man studiert (hat).

Was nun aber der o.g. ZEIT-Redakteur berichtet (und auch noch stolz darauf ist), ist meiner unwesentlichen Ansicht nach ein Indiz für die Tendenz zur grassierenden und verheerenden Selbstüberschätzung. Man möge mich bitte nicht falsch verstehen, denn es spricht überhaupt nichts dagegen, seinen Studiengang zu wechseln oder gar zu erkennen, dass das ganze Studium aufgrund eigener Erfahrungen und Überlegungen unpraktikabel ist. Es zeugt sogar von einer gewissen Größe, diesen Schritt zu gehen … mit all ihren daraus resultierenden bitteren Fragen (von „Wie erkläre ich das meinen Eltern?“ bis zu „Welche Alternativen habe ich überhaupt?“). Es ist aber ein Zeichen von unerhörter Dreistigkeit zu behaupten, dass die eigene Motivation zu studieren („beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit“ … auch noch von einem ominösen „Studierteufel“ eingeflüstert … man möge sich hier nur an die legendären „Visionen“ von Helmut Schmidt, der gerade 95 wurde, erinnern und tendiert zwangsläufig zu dem Rat für diesen Ex-Studenten, er möge zum Arzt gehen) das gesamte Bildungssystem ad absurdum führe. Wie unreflektiert muss man sein, um all die irregeleiteten Studierenden, die es nicht hassen, „komplizierte Texte zu lesen“ als „Akademiker auf eine[m] Sockel“ zu bezeichnen?

Es gehört schon eine gehörige Portion Selbstüberschätzung mit einer nicht zu vernachlässigenden Prise Ignoranz gegenüber elementarer Wissenschaftlichkeit dazu. Wenn Menschen, die falsche Vorstellungen vom Studieren und dem Wissenschaftsbetrieb haben, ihre Nicht-Eignung für dasselbige aber als General-Schelte gegen das Bildungssystem verschleiern und dann noch darüber schreiben, als ob es ein glorreicher Erfolg gewesen sei, so zu handeln und zu denken, ist es schlecht bestellt um unseren Nachwuchs.

Doch leider hilft es nichts, sich nur darüber zu beschweren … Lösungen müssen her, die zwar den Schaden an der gegenwärtigen Schüler- und Studierendengeneration (und wohl auch nicht an besagtem ZEIT-Redakteur) nicht mehr zu kitten imstande sein werden, aber vielleicht die Nachrückenden vor dem Schlimmsten bewahren können.

Mein Plädoyer: Eltern und Lehrer, entspannt euch und hört auf  eure Kinder zu umschwirren und ihnen vorzugaukeln, Gutverdiener-Jobs sind der Heilige Gral. Lehrt eure Zöglinge, sich weniger selbst zu loben … lehrt sie etwas ganz, ganz Altes und scheinbar Veraltetes: Demut!

Angesichts eigener Erfahrungen durch eine Vielzahl (zum Glück nicht aller … das lässt mich noch hoffen) von Studierenden, die ich kennenlernen durfte, muss ich auf die Überschrift bezogen leider ein Zwischenfazit ziehen und damit eine Korrektur vornehmen:

Die Devise lautet leider derzeit wie folgt: Hybris als (!) Zeitgeist!