World of …

Quelle: Wikipedia

kategorie_gesellschaftWir bemerken es ja fast schon gar nicht mehr, wenn uns die Werbung mit Übertreibungen und Superlativen konfrontiert. Das jeweils angepriesene Produkt ist naturgemäß immer das beste, neueste, kleinste, größte, wertvollste, modernste etc. Wahrscheinlich ist diese Mentalität den Verfassern für Werbeslogans schon per Muttermilch verinnerlicht worden und gar nicht mehr wirklich bewusst, aber es sollten bitte doch nicht gleich alle Geschütze für jedes Produkt aufgefahren werden.

Bevor wir zum Stein des Anstoßes kommen, den ich gerade im Sinn habe, hier ein paar einleitende Gedanken:

Vielleicht ist einigen noch die Bezeichnung ‚WOM‘ bekannt: World of Music. Ein Unternehmen, das sich während der 1980er und 90er bei der Kaufhauskette Hertie zumeist auf einer ganzen Etage eingemietet hatte, um dort die ganze Bandbreite der Tonträger für Musik anzubieten. Große Filialen warteten mit noch so kleinen Nischenprodukten auf und man konnte mehrere Tage dort verbringen und Musik hören, wurde leider immer wieder zum Ladenschluss rausgeworfen.

Hier war der Name wirklich Programm und man konnte in der Tat von einer ganzen Musik-Sphäre sprechen, die als eigene „Welt“ gelten durfte.

Auch ‚WoW‘ verdient die Bezeichnung „World“ durchaus, denn einerseits liefert ‚World of Warcraft‘ eine eigene virtuelle Welt und zum anderen stellt die globale Verbreitung der Spieler eine ganz reale Seite dieser weitläufigen „Welt“ dar.

Was kennen wir noch …?
Ohne dem Google-Affekt zu verfallen (Google gibt übrigens in den ersten Suchtreffern hauptsächlich Bezeichnungen von Computer- bzw. Online-Spielen aus … ‚Welt der Spiele?‘), fielen mir spontan Bezeichnungen wie ‚Welt der Kunst‘, ‚Welt des Kinos‘, ‚Welt des Sports‘, ‚Welt des Kochens‘ oder ‚Welt der Düfte‘. Aus den Medien, wozu ich auch, aber natürlich nicht nur das Druckwesen zähle, kennen Magazine wie ‚Welt der Frau‘ oder TV-Formate wie ‚Welt der Wunder‘.

Englischsprachige Ausdrücke, die ihren Einzug in den gegenwärtigen deutschen Sprachgebrauch gefunden haben, kommen mir gerade nicht in den Sinn und ein Blick in den Duden bestärkt mich in meiner ganz persönlichen (weniger auf Algorithmen als auf wabelige Hirnmasse basierenden) Suchmaschinen-Trefferliste.

Was kann die ‚Welt des/der‘ sonst noch bedeuten?
Wir leben im Grunde ja in unserer ganz eigenen, mehr oder minder kleinen, aber sehr subjektiven, von unserer eigenen Wahrnehmung geprägten Welt, also gäbe es folglich mindestens so viele Welten, wie es Erdenbürger gibt. Nehmen wir noch diverse Gruppierungen, die aus mehr oder minder homogenen Individuen bestehen, gäbe es natürlich gleich noch einmal eine sehr große Zahl an zusätzlichen Welten … wie die ‚Welt der Schrebergärtner‘ oder ‚Welt der Beamten‘ … aber das sind sicherlich sehr, sehr spezielle Welten.

Aber haben nur die Menschen ein Anrecht auf eine ‚Welt der‘? In den Siebzigern gab es mal einen Dokumentarfilm der besonderen Art: ‚Die lustige Welt der Tiere‘. Sicherlich haben auch Tiere einen Anspruch auf ihre ganz eigene Welt. Bücher über Tiere neigen oft ‚Welt der‘ im Titel zu führen: ‚Welt der Wale‘, ‚Welt der Adler‘, ‚Welt der Pinguine‘ etc. Das drückt einen gewissen Zusammenhang aus, der sich im Kontext dieser Tierart befindet, der über das reine Habitat hinausgeht. Möchte man sich nicht nur auf eine Tierart beschränken, bedient man sich ganzer Regionen wie ‚Welt der Arktis‘, ‚Welt der Wüste‘ oder gar ‚Welt der Meere‘. Letzteres ist allerdings in einem pleonastischen Sinn schon wieder problematisch, denn wenn es etwas Weltumspannendes an sich gibt, dann die Meere, oder?

Alles in allem existieren also unzählige ‚Welten der‘, über die man sich mehr oder weniger einig ist, weil diese Bezeichnungen entweder eine virtuelle oder eine reale Welt von Subjekten bzw. Lebewesen widerspiegeln. Doch einer ‚World of‘ möchte ich hier ihre Daseinsberechtigung absprechen:

World of Parking!

Was bitte soll das?! Ich las diesen Zusatz unter dem Unternehmensnamen einer Firma, die Parkhäuser betreibt … auch in Deutschland. Ich kann mir zwar gut vorstellen, was mit diesem Slogan beabsichtig ist, aber ich fand beim besten Willen nichts Sinnhaftes, was eine solche Bezeichnung verdient hätte. Ist es nur dem Mainstream der Werbebranche geschuldet, das Produkt so umfassend wie möglich darstehen zu lassen oder ist es einfach nur gedankenlos? Sicherlich ist die Zeit zu kostbar, sich über die Hintergründe den Kopf zu zerbrechen, aber als ich letztens in der Warteschlange vor einem Parkhaus feststeckte, hatte ich (leider) nichts Besseres zu tun. Doch auch mehrminütiges Nachdenken brachte mich zu keinem befriedigendem Ergebnis, so dass ich meine sich langsam auflösenden Gehirnwindungen nur damit bändigen konnte, indem ich mich auf die Fakten besann. Was möchte ich in bzw. von einem Parkhaus, sofern ich es als Subjekt begreifen möchte, was es natürlich nicht ist? Ich möchte mein Fortbewegungsmittel in ihm abstellen, sprich parken. Ich möchte kein Gemeinschaftsgefühl mit meinen Mitparkern entwickeln oder mich mit ihnen über das Erlebnis des Parkens unterhalten. Ich möchte überhaupt nicht die Rolle eines ‚Parkers‘ angeheftet bekommen. Ich möchte mein Auto oder Motorrad für eine bestimmte Zeit unbeschadet dort abstellen und den dafür notwendigen Betrag bezahlen. Nachdem ich endlich die Schranke zum Parkhaus passieren konnte, rettete zumindest mir diese Erkenntnis meinen Seelenfrieden. Bevor sich Werbetreibende wieder derartig Sinnfreies einfallen lassen, würde ich etwas mehr Bodenhaftung und Ehrlichkeit empfehlen. Wie wäre es mit:

Simply Parking

was übrigens bereits die Domain eines US-amerikanischen Parkhaus-Unternehmens ist und damit hoffentlich nicht Markenschutzrechte verletzen würde, sollten man meinem unbedeutenden Rat folgen.

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