Fellbündel … drei Beweise für ihre elementare Bedeutung

Quelle: Wikispecies

 

kategorie_naturSie sind putzig anzuschauen, flink und machen es einem unmöglich, sie nicht zu mögen: Erdhörnchen oder auch Ziesel genannt.

Doch ihre eigentliche Bedeutung für den Menschen, ach, was sag ich ich … für die Erde an sich … bleibt leider oft unerkannt.

Welche große Bedeutung könnte ein so kleines und pelziges Nagetier schon für die hochkultivierte und -technologisierte Menschheit bedeuten? Sicher, die Bedeutung mag im Lichte anderer Tiere wie dem Hausschwein, der Kuh, dem Pferd oder Hund nur sehr dämmerig erscheinen. Diese, uns ans Herz bzw. den Magen (Veganer und Vegetarier mögen es mir nachsehen) gewachsene Tiere sind zwar schon seit vielen Generationen domestiziert und eher selten wildlebend anzutreffen, wenn man mal von ausgebüchsten Exemplaren (erinnert sei da an die „Problem-Kuh“ Yvonne aus dem Jahr 2011) oder den ebenfalls ehemals „flüchtigen“ Mustangs absieht, dennoch aus dem menschlichen Alltag nicht mehr wegzudenken.

Was also soll dann das Erdhörnchen neben diesen prominenten Vertretern der Säugetier-Klasse?

Ich möchte drei Beispiele als Beweise anführen, die sehr deutlich machen, was die Menschheit ohne Nagetiere wäre.

Beweis 1:

Jeder Geographiestudent wird in bodenkundlichen Lehrveranstaltungen mit der enorm hohen potentiellen Fruchtbarkeit von Schwarzerden konfrontiert. Für diese hohe Bodenqualität wird vor allem Löss verantwortlich gemacht, doch das kalk- und silikatreiche Ausgangsgestein ist nur die halbe Wahrheit, denn ohne kleine, bodenbewohnende Nager (auch Erdhörnchen), die sogenannte Krotowinen erschaffen, indem sie aus purem Eigennutz organisches Material in tiefere Bodenschichten verfrachten (Bioturbation), wäre es nie zu solch fruchtbaren Böden gekommen. Und jeder Landwirt weiß, wie elementar wichtig, Schwarzerde für unsere Ernährung ist.

Beweis 2:

Wir schreiben den 18. Mai 1980.
Der bislang schlummernde Vulkan Mount St. Helens bricht im Süden des US-Bundesstaates Washington aus, verliert seine gesamte Nordflanke, überrennt mit einem pyroklastischen Strom weite Teile der Region, sorgt mit einer plinianischen Säule aus Vulkanasche für eine enorme Verunreinigung der Luft und schmilzt kurzerhand enorme Schnee- und Eismengen innerhalb kürzester Zeit, die zu vulkanischen Schlammströmen bis in 50 km Entfernung führen. Die gesamte Umgebung um Mount St. Helens ist auf einen Schlag vollkommen verwüstet und durch giftige Substanzen lebensfeindlich geworden.

Man fürchtete, dass dies auch noch viele Jahrzehnte so bleiben würde und sich die Natur nur schwer von diesem Schlag erholen könnte. Doch dann kam ein kleines Nagetier, diesmal zwar kein Erdhörnchen, aber ein ebenfalls putziges Fellbündel, die Nördliche Taschenratte (Thomomys talpoides) und grub analog der Schwarzerde-Genese Gänge in den Boden, durchmengte totes mit organischem Substrat, förderte wie ein sehr emsiger Gärtner die Durchlüftung und Fruchtbarkeit der Böden und ließ, bereits zwei Jahrzehnte nach dem Ausbruch, die Region erneut ergrünen.

Beweis 3:

Wie DIE ZEIT (Mareike Aden: Letzte Blüte, 3, 2013, S. 29) schreibt, ist es Wissenschaftlern in Russland gelungen, 30.000 Jahre alte Blütensamen der Art Silene stenophylla wiederzubeleben und zum Wachsen anzuregen (Svetlana Yashina, Stanislav Gubin, Stanislav Maksimovich, Alexandra Yashina, Edith Gakhova, David Gilichinsky: Regeneration of Whole Fertile Plants From 30,000-y-old Fruit Tissue Buried in Siberian Permafrost, in: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, February 21, 2012).

Doch was diese wissenschaftliche Sensation erst möglich gemacht hat, waren … sagen wir es gemeinsam: putzige, kleine Fellbündel … nämlich durch Ur-Ahnen der noch immer lebenden Arktischen Erdhörnchen (Urocitellus parryii). Auch wenn diese Erdhörnchenart beizeiten noch unter dem Namen Spermophilus parryii firmiert (vgl. Aufsatz zur Artenzuordnung: Kristofer M. Helgen, F. Russell Cole, Lauren E. Helgen, Don E. Wilson: Generic Revision in the Holarctic Ground Squirrel Genus Spermophilus, in: Journal of Mammalogy, 90 (2), 2009, pp. 270-305), der zwar vielleicht wissenschaftlich umstritten ist, weist er viel deutlicher auf die hier betonte Bedeutung der Tierart hin, nämlich seine Pflanzensamenliebhaberei. Auch hier sorgten die kleinen Nager mit ihren Erdbauten für den Transport organischen Materials, deren Samenbestandteile ganze 30.000 Jahre im Permafrostboden überdauerten und nun 120 km südlich von Moskau in Puschtschino von zum Teil sehr betagten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wiederbelegt wurden.

quod erat demonstrandum …

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