Weltenportal Nr. 07 – 03-2026

Cover: Detlef Klewer

Hrsg. von Christoph Grimm

Inhalt:

Stories

Magazin

  • Geheimnisse der Erdenwelt: Im Gespräch mit C. Gina Riot | Sarah Lutter
  • #MehrUnfug unter neuer Leitung: Im Gespräch mit Ines Zimzinski und Ingrid Pointecker | Christoph Grimm
  • Von Wölfen und (literarischen) Verwandlungen: Wolfsprinzessin von Elisa Miller | Anna Eichenbach
  • Unter dem Eis: Zum hundersten Geburtstag des tschechischen Autors Josef Nesvadba | Christoph Heiden
  • Lese-Log: Die Highlights der Redaktion | Sarah Lutter & Christoph Grimm
  • Weltenportal Comix | Maximilian Wust

Kommentar zum Heft:

… 

Kurzeindrücke zu den einzelnen Geschichten:

Die Brücke
von Denise Fiedler

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Allein mit sich, ohne Orientierung und Zeitgefühl auf einem endlosen Übergang inmitten einer unwirtlich-lebensfeindlichen Zwischenwelt umgeben von einem stürmischen, grenzenlosen Meer.

Kein besonders kuscheliger Plot, dennoch schafft Denise Fiedler die Gratwanderung zwischen sehr einprägsam umschriebenen Allegorien wie dem Meer, der Brücke, dem Sturm und auch zwei Fischen die Komplexität ihrer kreierten Welt einer mystischen Dualität zu erzählen: Die Dualität zweier Männer, von Ebbe und Flut, von links und rechts, von Anfang und Ende, eingebettet in einen ewigen Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen gibt.
Sie versteht es, die qualvolle Ausweglosigkeit des Protagonisten, die an mittelalterliche Jenseitsdarstellungen à la Tractatus de Purgatorio Sancti Patricii erinnert in eine Art kosmisches Gleichgewicht zu verwandeln, deren Ursprung zwar ungeklärt bleibt, aber Raum für zahlreiche Interpretationen bietet.

Die Frau mit der Augenbinde
von Andreas Eschbach

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Die Augen eines Menschen, so sagt man, sind die Fenster in seine/ihre Seele. Im Grunde eine schöne Vorstellung, vor allem wenn es sich um die Augen einer außergewöhnlich schönen und charismatischen Person in einem prachtvollen Palastturm handelt.

In Andreas Eschbachs Kurzgeschichte sind die besagten Augen die einer wunderschönen Frau im Palast der Stadt Galrath. Jedoch hat die Sache einen Haken: Ihre Augen hat noch nie jemand gesehen, denn sie sind ununterbrochen von einer Augenbinde bedeckt. Der Grund dafür ist nicht bekannt, doch unfreiwillig scheint sie sich des Augenlichts nicht beraubt zu haben. So verwundert es wenig, dass sich sich die Bewohner_innen von Galrath zahlreiche Theorien zu der namenlosen Frau mit der Augenbinde erdacht haben, von der keine je verifiziert worden ist … bis zu dem Tag, als das feindliche Heer der Illuvier vor den Toren der Stadt stand…

Adwoa tanzt
von Esther Geißlinger

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Wenn es etwas gibt, das man in heiklen Situationen so gar nicht gebrauchen kann, dann ist das toxische Männlichkeit.
So manches testosterongesteuerte Exemplar meines Geschlechts kann es einfach nicht ertragen, nicht das Sagen zu haben oder sich mit anderen abstimmen zu müssen, um in einer Krise einen Kompromiss zu finden.
Und das Problem in solchen Situationen ist, dass nicht nur das Alpha-Männchen auf Ego-Tour die Konsequenzen zu tragen hat, sondern meistens die ganze Gruppe oder sogar noch wesentlich mehr.

Esther Geißlinger lässt einen vielversprechend beginnenden Erstkontakt auf einem extrasolaren Planeten durch ein solches Erst-Schießen-Dann-Fragen-Exemplar dermaßen eskalieren, dass die komplette Expeditions-Crew kurz vor der Auslöschung steht, es sei denn, die Exo-Biologin hat die „Sprache“ der autochthonen Spezies einigermaßen passabel erlernt.

Merke: Schicke keine hirnlosen Machos auf Weltraummissionen.

Xeh! Xeh!
von Sarah Lutter

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Bei manchen läuft’s nicht so wirklich rund und trotz aller Bemühungen scheint einem nichts zu gelingen. So geht es nicht nur Menschen, sondern auch magischen Wesen, wie z.B. Hexen.
Siri ist so ein leidgeplagtes Exemplar umd während andere Hexen beständig besser werden und im Laufe der Jahre ihre Hexenkunst immer weiter entwickeln, misslingt Siri so gut wie jeder Zauber.
Nach einem demütigenden Treffen im Hexenfamilienkreis fasst sie den Entschluss, sich von der Guten Fee befreien zu lassen. Da ich mit der Hexenkultur nicht vertraut bin, gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um das Entziehen jeglicher magischer Fähigkeiten geht.
Ein drastischer Schritt, aber Siri leidet bereits zu lange, als dass sie so weitermachen könnte.

Doch, wie das eben bei Hexen so ist, die sich in der Nähe von sehr mächtigen magischen Wesen aufhalten, kommt es beim Lesen eines alten Buches so ganz anders als geplant.

Eine schöne Hexen-Heldinnenreise von Sarah Lutter, die einen daran erinnern soll, nie den Glauben an sich und seine Fähigkeiten aufzugeben.

Perfekter Urlaub – ohne Filter
von Vivian Chou

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Gibt es eigentlich valide Daten über die Kommentarkultur? Wer bewertet denn beispielsweise Urlaubsaufenthalte? Sind die Kommentare wirklich repräsentativ? Oder veranlasst es grundsätzlich mehr Menschen zum Bewerten, wenn sie unzufrieden sind? Denn, wer möchte schon, dass ein für gut befundenes Angebot aufgrund des eigenen Lobes zu sehr nachgefragt und dadurch schlechter erreichbar oder teurer wird? Sind die Kritiker_innen wirklich unzufrieden mit dem Angebot oder eher mit sich und ihrem Leben? Sind es überhaupt noch Menschen, die bewerten, oder doch eher Bots bzw. Trollfarmen mit KI-generierten Texten?
Wozu sollte man sich ob dieser Unsicherheiten von Bewertungen davon überhaupt noch beeinflussen lassen?
Liest man Bewertungen zu Unterkünften, fragt sich die/der durchschnittlich kritische Urlauber_in auch schon mal, was zum Geier die Leute da so alles stört und ob sie das wirklich ernst meinen, so pingelig und verwöhnt durchs Leben zu stolzieren.

Vivian Chou entführt uns in eine Zukunft, in der der überraschende Besuch von Außerirdischen die Beschwerdekultur von jetzt auf nachher auf links dreht.

Brennende Gerechtigkeit
von Benjamin Keck

[Image source: genAI, Byte Plus Seedream 5.0]

Es gibt wenig Befriedigenderes und zugleich Riskanteres, als Betrüger und Verbrecher zu betrügen und deren Profit an die Übervorteilten zurückzugeben bzw. sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Diese Idee hat zwar Robin Hood populär gemacht, ist aber keineswegs von ihm erfunden oder nach ihm nicht anderweitig angewendet worden. Zumal all diejenigen, die nach dem Nervenkitzel suchen und Reichtum nur Mittel zum Zweck ist, scheint das nicht nur ein geeigneter Zeitvertreib, sondern durchaus auch Lebensinhalt zu sein.
Doch, ob es eine wirklich gute Idee ist, die mächtigste Organisation der dreizehn Erzpriester herauszufordern bzw. sich auf direktem Weg in ihre Fänge zu begeben, wird sich erst am Ende der spannenden Kurzgeschichte von Benjamin Keck herausstellen.

Die mich irgendwie an das Setting des wohl geplanten Erzählens von Scheherazade erinnernde Kurzgeschichte der überaus smarten Diakaia, die mit Kloster (ja, so heißt er wirklich) den Coup ihres Lebens planen und durchführen, ist gar nicht mal so kurz, treibt einen aber, weil man den Brotkrumen nicht widerstehen kann, von Abschnitt zu Abschnitt immer weiter … bis das Rätsel aufgelöst wird.