c’t 2026 – Stories

Leise surren die Rotoren
von Christian Endres

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Micro-Rezi

In: c’t 2026/01. Heise-Verlag, S. 166-170

Was wird eigentlich aus Drohnen, wenn sie nicht mehr benötigt werden? Mal von den Modellen abgesehen, die ihren Dienst in Kriegsgebieten mit der Zustellung von Bomben verrichten. Ich ging ja fälschlicherweise davon aus, dass sie, wie im Grunde jedes technische Gerät, nach ein paar Jahren verschrottet und bestenfalls im chinesischen Guiyu landen, um dort einem eher ökonomisch als ökologisch geleiteten Recycling zugeführt zu werden.
Doch mit dem Einsatz von KI und der sich anpassenden Rechtslage könnte sich das womöglich ändern. Vielleicht bekommen KI-gestützte Maschinen eine Art Mitspracherecht, was nach Dienstende aus ihnen geschehen soll. Schließlich arbeitet man nicht umsonst darauf hin, dass Soft- und Hardware ein Bewusstsein entwickeln sollen. Und sobald man das erreicht haben wird, wird so manches Gesetz wahrscheinlich um einiges schneller novelliert als dies beim Tierschutz je geschehen ist.
So hat auch die Zustellungsdrohne inmitten eines weihnachtlichen Schneesturms eine lange, bewegte und auch traumatisierende Geschichte hinter sich. Doch genau diese Erfahrungen helfen der Drohne, eine sich gleich in mehreren lebensbedrohlichen Situationen befindliche Familie, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Kaum einer versteht es so gut, unbelebter Materie so viel Menschlichkeit zu verabreichen, wie Christian Endres. Ich frage mich, ob und wann es endlich eine Kurzgeschichtensammlung von ihm geben wird.
Eine faszinierende, spannende und herzerwärmende Kurzgeschichte, die sich nicht nur für die Vorweihnachtszeit eignet.

Der Klang von Papier
von Uwe Hermann

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

In: c’t 2026/02. Heise-Verlag, S. 168-171

Die Digitalisierung mag unaufhaltsam in alle Bereiche unseres Lebens vordringen und große Teile des Analogen ersetzen, aber zum Glück sind Menschen unterschiedlich und neigen zudem irrational zu sein.

Als in Uwe Hermanns Kurzgeschichte ein ganz normaler gestresster Vater für seine Tochter das derzeit angesagteste KI-Gadget, eine hochfunktionale Babypuppe namens Oskar für deren Geburtstag nicht mehr auftreiben kann, verirrt er sich in eine Buchhandlung mit gedruckten Büchern. Auch wenn ihm die Situation mit dem Inhaber etwas merkwürdig erscheint, lässt er sich zu einem völlig aus der Zeit gefallenen Druckerzeignis als Ersatzgeschenk überreden … erlebt danach mehr als eine Überraschung.

Der Mainstream mag uns zwar fest im Griff haben und die Zukunft wird sich von Künstlicher Intelligenz abhängig machen, dennoch bin ich guter Dinge, dass es immer auch eine Retro-Gegenbewegung geben wird, die uns nicht vergessen lässt, Substanz und Seele in unser Leben zu lassen.
Ein zauberhafter Appell ans Analoge.

Keine Besserung
von Juna Nowak

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

In: c’t 2026/03. Heise-Verlag, S. 168-172

Wenn wir Menschen uns durch Technologie in den allermeisten Bereichen entbehrlich gemacht haben, wird es nicht mehr für viele eine sinnstiftende Beschäftigung geben. Klingt wie das durchaus plausible Antizipieren aktueller IT-Entwicklungen, die zumeist im Kontext von KI die Märkte überfluten.
Eigentlich war ja der Einsatz von Technologie dazu gedacht, dass wir bei der Arbeit entlastet werden, um mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu haben. Nicht von ungefähr kommt mir da ein von Christian Uhle übersetzter Kommentar der Science-Fiction-Autorin, Joanna Maciejewska aus dem Jahr 2024 in den Sinn: „Weißt du, was das größte Problem daran ist, alles auf KI zu setzen? Die falsche Richtung. Ich möchte, dass KI meine Wäsche wäscht und mein Geschirr spült, damit ich Kunst schaffen und schreiben kann – und nicht, dass die KI meine Kunst macht und für mich schreibt, damit ich meine Wäsche waschen und mein Geschirr spülen kann“.

Als ich die Kurzgeschichte von Juna Nowak las, hatte ich zwangsläufig Assoziationen der Pressetermine der US-Regierung vor Augen, die an einen wahnhaften Fiebertraum erinnern, sowie diverse Verlautbarungen unseres aktuellen Bundeskanzlers, dessen Empathielevel ähnlich hoch ist, wie der von Nowak beschriebenen Führungsriege eines auf Effizienz geeichten Regimes nach der Übernahme der meisten Tätigkeiten durch KI.
Die Eltern eines hochbegabten und damit wertvollen Kindes werden von der sogenannten Observatorin vorgeladen, um Druck auf den Jungen auszuüben, der aufgrund seiner Begabung offenbar nicht unter Kontrolle gebracht werden kann.
Eine düstere Geschichte über den verlorenen Kampf um Individualität, Selbstbestimmung und Vielfalt, die wenig Raum für Hoffnung lässt.

RAL
von Thomas Frick

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

In: c’t 2026/04. Heise-Verlag, S. 168-172

Wir neigen dazu, uns beim Einsatz neuer (noch nicht in den Alltag integrierter) Technologie auszumalen, was alles schief gehen könnte. Science-Fiction Autor_innen tendieren aus verständlicher Absicht heraus dazu, ihre Geschichten besonders unterhaltsam zu gestalten, Szenarien zu verwenden, in denen es so richtigrichtig schiefläuft.
Computer, ihre Soft- und Hardware waren dabei schon immer eine hervorragend geeignete Projektionsfläche, die mannigfaltig ausgefüllt wurde und wird. Konsequenterweise setzt sich dieser Trend bei Geschichten rund um KI fort, die uns in meist dystopischer Ausprägung einen Spiegel vorhalten, was Technik in Kombination mit menschlichem Effizienzdenken so alles ausrichten kann.

Thomas Frick geht in seiner Märchen-Kurzgeschichte erfrischenderweise den anderen Weg: Was, wenn sich eine KI nicht um Effizienz und Machtmonopolisierung schert, sondern einen Hang zur Diversität, Ineffizienz und Schönheit hat und dieser Neigung extrem konsequent und effizient nachgeht?

PS: Ich bitte für das Wortspiel um Verzeihung … aber es musste raus.

Wenn Wünsche entgleisen
von Trude Trautmann

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

In: c’t 2026/05. Heise-Verlag, S. 168-172

Wenn man viel fiktionale Geschichten liest, möchte man wahrscheinlich bei jeder neuen Geschichte wieder gut unterhalten werden. Es soll spannend, witzig, gruselig, einfühlsam und/oder überraschend sein. Vielleicht ist das der Grund, weshalb einen das Gehirn beim ersten Erscheinen von bestimmten Schlagwörtern sofort ein kleines Plot Bunny anspringen lässt, mit Ideen, in welche Richtung sich die Geschichte womöglich entwickeln könnte.

Trude Trautmann macht sich diesen Reflex zunutze und führt zuerst die Protagonistinnen und dann die Lesenden aufs fiktionale Glatteis, was nicht minder unterhaltsam und überraschend ist.
Womöglich erscheint aber dieser Hirnreflex nicht nur beim Lesen von Phantastik oder anderer Literatur … es könnte auch schon ausreichen, in der c’t einen Artikel über 3D-Druck per Pilzwuchs zu lesen 😉

Goldener Oktober
von Nob Shepherd

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

In: c’t 2026/06. Heise-Verlag, S. 168-172

Ein Kriminalfall in einem Seniorenheim der Zukunft. Steckt hinter dem Tod einer Gästin ein düsteres Geheimnis? Sind die Pflege-Bots gar nicht so harmlos, wie es die Heimleitung behauptet? Steckt hinter allem vielleicht sogar eine viel größere Verschwörung? Und soll die überfürsorgliche Heimleiterin mit ihrem an die Königin der Phantastik erinnernden Namen den verdeckten Ermittler auf eine falsche Fährte locken?

Alles scheint möglich und Nob Shepherd löst selbstredend das Geheimnis erst ganz am Schluss der Kurzgeschichte auf.

Fehleinschätzung
von Volker Dornemann

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

In: c’t 2026/07. Heise-Verlag, S. 168-172

Planet 9 ist in 100 Jahren wahrscheinlich keine Hypothese mehr. Entweder wird seine Existenz bewiesen sein oder eben seine Nichtexistenz.
Das eine wie das andere birgt unzählige spannende Geschichten, wobei Volker Dornemann sich dem existenten Planeten 9 widmet und zu bedenken gibt, dass man beim Erstkontakt vielleicht nicht gleich alle Karten auf den Tisch legen und mit visueller Kommunikation eher vorsichtig sein sollte. Doch selbst die daraus resultierenden Konsequenzen mögen für die Menschheit zwar bedeutsam sein, sind aber im kosmischen Maßstab letzten Endes völlig irrelevant.

Albert, der Geist, der in die Flasche kam
von Daniel Dislich

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

In: c’t 2026/08. Heise-Verlag, S. 168-172

So manches Genie lebt(e) unerkannt in seiner/ihrer eigenen kleinen Welt. So ergeht es auch Albert Inglewood, 16. Count of Wayburn auf seinem schon etwas in die Jahre gekommenem Anwesen. So wirklich viel mit der Welt außerhalb seiner Mauern kann er nicht anfangen, aber in der Welt der Zahlen und der Mathematik fühlt er sich schon von Kindesbeinen an sehr wohl, nahezu geborgen. Auch wenn er die Öffentlichkeit scheut und der Ruhm seiner mathematischen Erkenntnisse ihn nicht interessierte, so merkt er erst zweihundert Jahre später, was ihm zu seinem Glück noch fehlt.

Eine charmante Geschichte, in der keine Bugs die Informatiker_innen zur Verzweiflung treiben, sondern ein genialer Geist.

Rauchmelder
von Christian Endres

TITEL
von NN

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