Qualitätsjournalismus statt Google-Bashing

Den Untergang des Qualitätsjournalismus, was auch immer die jeweilige Branche darunter versteht, besingt die Branche schon seit der ersten pandemischen Zeitungssterbewelle. Und zum Glück wurde jüngst vom Bundeskartellamt verhindert, dass der Grund bei nur einem Verursacher gesucht wird: Google.

Es muss schwer sein, wenn man feststellen muss, dass jahrhundertealte Traditionen beginnen „den Bach runterzugehn“. Die üblichen ersten Reaktionen in solchen Fällen des Medienwandels sind Arroganz, Abschottung, Drohgebärden, Moraldebatten, Gigantomanie und dann Schockstarre … nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Wenn eines die Geschichte der Medien gezeigt hat, dann das, dass die die Medienproduktion unmittelbar beeinflussenden Technologien sich nicht wegreden oder „abwatschen“ lassen. Verdrängung und Konfrontation waren bisher wenig erfolgreich, wie die Musik- und Filmindustrie schmerzhaft erfahren mussten.

So hat es wenig mit Kaffeesatz-Leserei zu tun, wenn man prognostiziert, dass die Presse es mit den gegenwärtigen Kampagnen und Grabenkämpfen ihren Vorgänger-Platzhirschen gleichtut und sich von gönnerhaftem Belächeln neuer Nachrichtendispositive über abwartendes Einschließen hin zu agressivem Konkurrenten-Bashing durchdekliniert.

Im Grunde erinnert dieses Verhalten an die Zeit kurz vor der Reformation, als der Klerus, der sich anfangs dem sich neu entfaltendem Buchdruck sehr positiv zuneigte, ihn plötzlich verfolgte, als klar wurde, dass mit der Veröffentlichung von Schrift alte Machtstrukturen infrage gestellt werden konnten. Es wiederholt sich doch immer wieder … [vgl. Kapp, Friedrich: Geschichte des Deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert, Bd. 1. Leipzig 1886, Kapitel 1: http://de.wikisource.org/wiki/Geschichte_des_Deutschen_Buchhandels_Band_1/Erstes_Kapitel#cite_note-41]

 

Wenn man schon den Gang zum Bundeskartellamt geht, dann doch bitte als Angeklagter, nicht als Kläger. Das würde zumindest zeigen, dass man neue Ideen hat und proaktiv wäre.

Liebe Verleger, der von Google ach so gepeinigten Zeitungsbranche, nutzt Euren derzeitigen Schulterschluss und macht einfach das besser, was Google gerade erfolgreich praktiziert: Konstruiert eine eigene Zeitungssuchmaschine!

Nehmt doch einfach mal genau das Geld in die Hand, das Ihr gerade für Google-Scharmützel verpulvert, engagiert ein aufstrebendes Start-Up-Unternehmen oder versucht mit „alten Hasen“ wie MetaGer (der im Vergleich zu Google wesentlich besseren Suchmaschine für deutschsprachige Seiten!) zu kooperieren. Kombiniert all Eure Zeitungsarchive miteinander und bietet dem Nutzer, der es auf verbindliche, glaubwürdige und qualitativ hochwertige Informationen abgesehen hat, den Fundus, den man bei Google zu finden erhofft … sich aber leider nur allzu oft mit intransparent priorisierten Links zufriedengeben muss, mangels ALTERNATIVE! Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: ausgebildete und erfahrene Vertreter der schreibenden Zunft, lassen sich von dreisten IT-Nerds das Wasser abgraben! Das ist nicht „gefährlich oder „bedenklich“ sondern peinlich!

Hier also meine Bitte:

Nutzt Euer Kapital (und damit meine ich nicht zwangsläufig nur die anghäuften Euro, sondern vor allem journalistisch aufbereitete Informationen) und konkurriert mit Google, statt sich wie trotzige Kinder gegen einen IT-Giganten zu wehren, der mit echter Content-Generierung herzlich wenig zu tun hat.

Es würde mich sehr freuen, wenn die nächste Schlagzeile über ‚Zeitungsverlage‘, ‚Google‘ und ‚Bundeskartellamt‘ davon handelt, dass man sich als Angeklagter vor den Behörden verantworten muss, nachdem man versucht hat, Google das Geschäft streitig zu machen. DAS wäre mutig … und wenn mich nicht alles täuscht, ist Mut ein wichtiger Bestandteil investigativer Presse.

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