Magische Wesen leben meistens länger als Menschen … einige sogar sehr viel länger bzw. ewig, sofern sie nicht durch einen wütenden Mob heugabelbewehrter Dorfbewohner einen gewaltsamen Tod finden. Eine der größten Herausforderung derlei unsterblicher Untoten ist sicher der Umgang mit dem Vergehen anderer Wesen, während man selbst übrig bleibt. Eine weitere ist die der Notwendigkeit, sich in jeder Epoche, die man durchlebt, anzupassen. Manche halten an ihrer ursprünglichen Lebensweise fest, andere pflegen ihre Traditionen, wieder andere erfinden sich ständig neu. Insbesondere die Essgewohnheiten mancher magischer Wesen wirken auf Menschen eher irritierend oder erzeugen panischem Reaktionen. Besondere seien hier Werwölfe und Vampire erwähnt. Doch auch derlei Wesen durch“leben“ eine Entwicklung und so verwundert es nicht, dass es Individuen gibt, die völlig abstinent unter Menschen wandeln, also dem Konsum von Menschenblut und -fleisch entsagt haben. Kiàn KoWananga erzählt in ems Kurzgeschichte von miteinander lebenden magischen Wesen, die einerseits interspezifische Beziehungen eingehen, in generationenübergreifenden WGs leben und sich in magischen abstinenten vegetarischen fleisch- und blutvermeidenden Selbsthilfegruppen gegenseitig unterstützen. Eine unaufgeregte und trotz oder gerade wegen spezifischer Unterschiede der Charaktere äußerst angenehm harmonisch erzählte Kurzgeschichte, in der Unterschiede keine Gegensätze, sondern die Grundlage für langlebige (sic!) Vielfalt sind.
Aus ihrer/seiner Heimat vertrieben zu werden ist immer ein sehr traumatisches Erlebnis. Die Ursachen und Umstände können sehr unterschiedlich sein. Das Resultat ist ähnlich. Wird frau/man durch einen Biss von einem Tag auf den anderen zur/zum Ausgestoßenen, ist ein solcher Umstand, der zugegebenermaßen allerdings nicht allzu häufig vorkommt. Doch wenn es passiert, ist es ein einschneidendes Erlebnis. So erfährt es Emmerich, dessen Leben auf links gedreht wird, nachdem ihn ein Fremder zu einem Vampir machte. Eine Weile versucht er in seiner gewohnten Umgebung damit klarzukommen, doch nach lästigen Erfahrungen mit Heugabeln bewaffneten Dorfbewohner_innen und viel zu vielen Würmern, macht er sich auf die Suche, nach einem neuen Ort, wo er willkommen ist. Nur aus der Verzweiflung heraus wagt er sich ins Sonnenlicht und als er durch den Riss in einer Stadtmauer schlüpft, scheint er das Unmögliche gefunden zu haben: den Beginn eines neuen Lebens … ohne Würmer.