Erzähl mir eine Geschichte, die cozy und ein bisschen spannend ist und ein Happy End hat
von Carolin Lüders
Einst waren wir Selbstversorger. Wir aßen das, was wir selbst anbauten, aufzogen. Wir lebten in den Behausungen, die wir selbst bauten. Wir trugen Kleidung, die wir selbst herstellten. Wir benutzten Werkzeuge, die wir selbst konstruierten. Wir erzählten Geschichten, spielten Musik, malten Bilder, die wir selbst erdachten. Alles, was wir nutzten, erschufen wir mit den eigenen Kräften und Ideen. Doch etwas in uns, ein selbstzerstörerischer Code flüstert uns ein, dass wir es besser haben könnten, dass wir es einfacher haben könnten, dass wir es billiger haben könnten. Doch alles, was wir nicht selbst erschaffen, müssen andere für uns erschaffen, die wir für ihre Dienstleistung bezahlen.
Wie die desillusionierte Welt aussieht, in der sich zwischen den Nutzer_innen/Konsument_innen und den Dienstleister_innen/Produzent_innen globale Konzerne mit KI-Technologie festgesetzt haben, die die einen abhängig machen, während sie die anderen ausbeuten, erfasst Caroline Lüders in ihrer, die int:elegance-Anthologie einführenden Kurzgeschichte auf erschreckend einprägsame Weise.
Nach dem Lesen der Geschichte hallte der Satz „Menschen, die wirkten, als wären sie Peripheriegeräte der Maschinen.“ in mir nach. Auch wenn wir ohnmächtig zu Zuschauer_innen und willenlosen Automatengehilf_innen degradiert werden, ist die Erkenntnis der Realität schon ein erster Schritt. Doch zu verzweifeln ist keine Option. Trotz scheinbarer Ausweglosigkeit ob all der uns umgebenden omnipotenten Mächte, müssen wir versuchen, unsere Selbstständigkeit und Selbstversorgung wieder zurückerlangen.
Wir dürfen nicht auch noch das Denken den Maschinen überlassen.