Mustererkennung. Das ist im Grunde nichts wirklich Neues. Undefinierte Signale einer noch unbekannter Systematik zuordnen. Klingt für die meisten eher unspannend oder gar langweilig. Gibt man allerdings konkrete Anwendungsfälle hinzu, wie zum Beispiel Bilderkennung, Weltraumstrahlung oder Tierlaute, wird schnell klar, was für abenteuerliche Möglichkeiten sich dahinter verbergen. Großrechner unterschiedlicher Einrichtungen zahlreicher wissenschaftlicher Disziplinen geben seit Jahrzehnten ihr Bestes, um hinter die Muster zu Gesetzmäßigkeiten oder einem Sinn zu gelangen. Mit der disruptiven Technologie der künstlichen Intelligenz im Allgemeinen und im Speziellen erhöht sich die Geschwindigkeit auf der Jagd nach Lösungen. Außerirdische Technologie oder die Entschlüsselung von Tiersprachen könnte kurz vor ihrer Entdeckung stehen.
Sabine Frambach wendet sich in ihrer Plantpunk-Kurzgeschichte etwas viel Unscheinbarerem zu, das sich bislang in völliger Stille abspielte und doch allgegenwärtig und für sich gesehen unfassbar disruptiv wäre: der Kommunikation von Pflanzen untereinander. Nicht nur die Signalübermittlung innerhalb eines pflanzlichen Organismus … nein, es geht um die Sprache zwischen vegetabilen Individuen. Auch wenn es in einer hoch technologisierten und auf Effizienz getrimmten Welt, die mehr im Digitalen als im Analogen stattfindet, keinen Platz mehr für natürliche Prozesse gibt, kämpft eine Wissenschaftlerin dafür, dass Pflanzen wie Alfie gehört werden und damit eine Stimme bekommen. Dumm nur, dass die meisten Menschen verlernt haben zuzuhören. Doch es gibt Hoffung. Da sind noch andere, die nahezu intuitiv ein Verständnis für die Worte von Alfie und die wir bislang nicht einkalkuliert haben.
Ein wunderschöner Auftakt der Planthologie von Birgit Schwäbe und Ingrid Pointecker in der eine Lupine namens Alfie die Hauptfigur spielt, ohne dass man sie wirklich vorgestellt bekommen muss. Einfühlsam, visionär und hoffnungsvoll.
347 Sprossen
von An Brenach
[Image source: genAI, Flux.2 Pro]
Es ist wohl ein ziemlich verbreitetes Phänomen des menschlichen Gehirns, diejenigen Dinge auszublenden, die alltäglich sind. Diese selektive Aufmerksamkeit hat zur Folge, dass wir Alltägliches nicht wirklich zu schätzen wissen, wenn wir es versäumen, unseren Fokus darauf zu lenken. Ganz besonders passiert uns das mit den leisen und langsamen Dingen im Leben. So bemerken wir beispielsweise das Wachsen von Pflanzen nicht, denn weder machen sie beim Sich-gegen-die-Gravitationskraft-stemmen Geräusche, noch bewegen sie sich allzu auffällig. Und dennoch ist das Wunder des pflanzlichen Wachstums nahezu allgegenwärtig … falls man nicht gerade inmitten einer urbanen Betonwüste oder auf einer Raumstation lebt.
Am Brenach lässt uns in der Kurzgeschichte „347 Sprossen“ an einer alltäglichen Faszination teilhaben: der Wiederentdeckung des Wunder pflanzlichen Wachstums mitten in der kalten Leere des Alls. In einer Zukunft, in der Pflanzen keinen Platz mehr haben, sie durch synthetische und technologische Verfahren ersetzt wurden und ihre Formen, Farben und Gerüche völlig vergessen und unbekannt sind, wird durch Neugier, Mut und Beharrlichkeit eines einzelnen Menschen, ein essentieller Teil unserer Existenz renaturiert.
Mimulus Fortuna
von Dominique Goreßen
[Image source: genAI, Flux.2 Pro]
Pflanzen haben einen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Ob es die pure Freude beim Anblick einer schönen Blüte, die beruhigende Wirkung des Pflanzengrüns auf unsere Augen, der per Photosynthese erzeugte Sauerstoff oder die immunsystemstärkenden Terpene in Wäldern ist, Pflanzen beeinflussen uns.
Dominique Großen erzählt in ihrer Kurzgeschichte, wie der mentale Zustand eines Menschen, das Wohlergehen von Pflanzen nahezu desaströs negativ beeinflusst und was man (nicht nur in einer fernen Zukunft) dagegen tun kann.
Nemus Novum
von Chaoseule & LiaSchattenfell
[Image source: genAI, Flux.2 Pro]
Noch können wir es uns nicht vorstellen, aber werden erst einmal die klimastabilisierenden Prozesse ihren Dienst quittiert haben, werden wir es mit gänzlich anderen Wetterextremen zu tun haben, als mit Schneefall im mitteleuropäischen Mai. Chaoseule und Liaschattenfell skizzieren den Alltag in einer nicht allzu fernen Zukunft, wenn wir um jede Kartoffelpflanze kämpfen und wir für eine lieb gewonnene Zimmerpflanze unser Leben riskieren werden. Noch können wir es uns nicht vorstellen … und unsere Enkel werden Geschichten über langweilige immer ähnlich wiederkehrende Jahreszeiten für unrealistische Märchen halten.