Es kommt nicht häufig vor, dass ich einen Film sehe, der auf einer literarischen Grundlage beruht, und dann erst das Buch lese. Doch diesmal war es so. Ich sah ‚The Life of Chuck‘ mit Tom Hiddleston und war völlig hin und weg. Bisher waren meine Erfahrungen mit Verfilmungen von Stephen King-Kurzgeschichten respektive Novellen eher ernüchternd (bis natürlich auf den grandiosen ‚Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers‘) und da ich ‚The Monkey, den ich ganz furchtbar fand, kurz davor gesehen hatte, war ich mehr als skeptisch. Die Art, wie der Film ‚The Life of Chuck‘ auf mich gewirkt hat und wie reichhaltig die gar nicht mal so ausladend gestaltete Handlung eine unglaubliche Tiefe dahinter vermuten ließ, veranlasste mich, ‚Chucks Leben‘ aus der Anthologie ‚Blutige Nachrichten‘ zu lesen.
‚Chucks Leben‘ ist eine gute Geschichte, die man vielleicht als lange Kurzgeschichte, Kurz-Roman oder Novelle bezeichnen könnte. Die Unterschiede waren mir noch nie so ganz klar. Auch muss ich sagen, dass der Film außerordentlich eng an der Vorlage bleibt, aber dort weit darüber hinaus geht, wo der Text eher verhalten und unausgesprochen bleibt, was wohl auch der Mitwirkungen des Autors als Produzent geschuldet ist. Die umgekehrte Reihenfolge der drei Akte hat sowohl im Text als auch im Film eine interessante Wirkung, denn man fühlt sich als Rezipient den Charakteren schnell überlegen, zumal man ja schon das Ende vor ihnen kennt. Das rückwärtige Erschließen der Geheimnisse macht das Lesen zu einer spannenden Spurensuche. Das Verflochtensein der Charaktere miteinander und vor allem mit der Hauptfigur Chuck ist stellvertretend für den Kerngedanken der Handlung, nämlich dass sich im Gehirn einer/eines jede_n von uns, eine ganze Welt angelegt ist, allmählich entsteht und dann mit unserem Dahinscheiden zu einem Ende kommt. King wäre nicht King, wenn er diesen Gedanken nicht äußerst konsequent zu Ende gedacht hätte und lässt daraus eine unverrückbare, schicksalhafte Abhängigkeit entstehen, ohne dass irgendjemand darauf einen Einfluss hätte. Gut und spannend geschrieben, aber interessanterweise kommt der Text nicht an die mich sehr beeindruckende Verfilmung von Mike Flanagan ran, in der die paar veränderten Kleinigkeiten, den Plot noch besser machten.