Marianne Labisch und Detlef Klewer (Hg.): Time Dealer

Rezension:

Micro-Rezensionen zu den einzelnen Texte:

Wie bei Gott unterm Sofa

von Maximilian Wust

[Image source: genAI, Byte Plus Seedream 5.0 Pro]

Wer der Vorstellung verfallen ist, dass uns nach dem Ableben ein wohlgeordnetes Jenseits mit Belohnungen oder Bestrafungen erwartet, das je nach religiöser Ausrichtung angenehm temperiert oder ziemlich überheizt ist, wird von Maximilian Wusts Kurzgeschichte ziemlich überrascht bis leicht irritiert sein.
Dass der Tod mal einen Fehler macht, ist in so mancher Geschichte schon einmal vorgekommen und sorgt meistens für ein spürbares Beben im Raum-Zeit-Gefüge. Aber, dass jemand/etwas diesen Fehler absichtlich herbeigeführt hat, ist dann schon seltener. Auch wenn dieser ‚Faux-pas‘ für die Protagonistin Yolanda alles andere als eine Lappalie ist, ist es noch viel dramatischer, dass nichts, also so gar nichts auf der „anderen Seite“ so ist, wie sie sich das vorgestellt bzw. auf der Seite der Lebenden bekannt ist. Wie das eben so unter einem Sofa ist … etwas schmuddelig, chaotisch und überraschend.

Ein ausgesprochen wilder Ritt durch eine skurrile jenseitige Welt, die Erinnerungen an Terry Pratchett und Douglas Adams wachrief.

Die Farbe der Zukunft

von C. Greene

[Image source: genAI, Byte Plus Seedream 5.0 Pro]

Zeit ist Geld. In unserer technologisierten, durchgetakteten ökonomisierten Welt, schon längst nicht mehr nur ein spießiger Kalenderspruch, sondern Lebensmotto vieler Menschen.

C. Greene nimmt dieses Motto in ihrer Kurzgeschichte wörtlich und lässt ihre Protagonist_innen in einer Zukunft leben, in der die eigene Lebenszeit als Ware und Währung dient. Doch wo ein Markt ist, ist auch ein Schwarzmarkt und Möglichkeiten, nicht ganz so legale Geschäfte zu tätigen. Doch wer verzweifelt ist und dem Tod ins Auge blickt, fragt selten nach Gesetzestreue und ist bereit, hohe Risiken einzugehen. Doch eine_r muss immer bezahlen.

Ein Moment Ewigkeit

von Jennifer Kuro

[Image source: genAI, Byte Plus Seedream 5.0 Pro]

Die Zeit ist nicht erst seit Einstein relativ. Jede_r weiß, dass manche Minuten länger und manche kürzer sind. Einige Momente in unserem Leben fühlen sich sogar an, wie die Ewigkeit.

Auf der Suche nach der Möglichkeit, für seine kranken Bruder Noah lebensverlängernde Zeit zu ergattern, begegnet Cassian einem mysteriösen Zeitlosen. Was zuerst eine Art einmaliger sachlich-geschäftlicher Termin ist, bei dem er Zeit „kaufen“ möchte, wird zu regelmäßigen, sehr emotionalen Auszeiten (im wahrsten Sinne des Wortes). Dabei erfahren der Zeitlose und der Zeitbedürftige etwas, was nur dann entsteht, wenn man gemeinsam Zeit miteinander verbringt und unbezahlbar ist.
Eine sehr gefühlvolle Kurzgeschichte, in der deutlich wiird, dass Zeit besonders wertvoll ist, wenn sie gemeinsam „verbraucht“ wird.

Das Geheimnis des Chablis-Käse

von Erik Hauser

Block L hat Priorität

von Beatrice Sonntag

Ränkespiele und Blockaden

von Andreas Flögel

Selbstfindungstrip

von Veith Kanoder-Brunnel

Begegnungen an eine Hauptstraße

von Ansgar Sadeghi

Das letzte Stündlein

von Sabine Frambach

Gezeitenwirbel

von Gabriele Behrend

Der Zeitdealer

von Marianne Labisch

Zeit ist Geld

von Detlef Klewer

Sekunden aus Glas

von Martina Rethorn

Der Lebenszeit-Algorithmus

von Uwe Hermann

Gottes Parkuhr

von Ellen Norten

Durch die Gemarkung

von Achim Stößer

Keine Zeit für den Tod

von Josephine Straub

Die Regeln des Systems

von Janina Hausmann

Der Abgabetermin

von Johanna Brenne

Der macht so was

von Karin Reddemann

Die Auktion

von Wolfgang Heine

Die Neugier der Miss Whitman

von Holger Göttmann