In andere Welten – Science Fiction Anthologie

Buchcover: Jelena Gajic; Hintergrund: Midjourney 5.2

Kommentar zum Sammelband:

Illustrationen zu den Kurzgeschichten

Kurzeindrücke zu den einzelnen Texten

Das Ende des Suchraums
von Sarah Mann

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Als wir Menschen uns an die Ausbeutung der Erde gemacht haben, stießen/stoßen wir zwangsläufig an Grenzen. Zum einen sind die Ressourcen unseres Heimatplaneten begrenzt, zum anderen müssen wir ungeschickterweise auf diesem Planeten leben und bekommen die Folgen der Raubzüge hautnah mit.

Anders verhält es sich im Weltall. Dort herrscht noch die vollkommene Freiheit, rücksichtslos nach wertvollen Mineralien und Substanzen zu suchen, da niemand um Erlaubnis gebeten oder enteignet werden muss … noch. Auch haben extraterrestrische und -solare Himmelskörper (irgendwie ein putziger Begriff) bislang keine nennenswerte Lobby.

Ziemlich lebensfeindliche Bedingungen und äußerst ziemlich weite Entfernungen machen im Weltall den Raubbau allerdings nicht gerade einfach.
Sarah Mann kreiert un ihrer Kurzgeschichte quasi-autonome Abbau-Roboter, die in großen Schwärmen unterschiedlichen Aufgaben nachgehen, an deren Ende der Transport aller wertvollen Stoffe zur Erde steht.
Doch was mit KI-gestützten Robotern, die sich selbst überlassen sind, geschehen kann, übersteigt alle antizipierten möglichen Projektverläufe auf dem Reißbrett.
Es ist wohl Teil menschlicher Hybris, zu glauben, nur seine Spezies hätte das Potenzial zur Entwicklung. Wenn alle notwendigen Zutaten im Topf sind und dann noch von außen die nötige Energie aufgewendet wird, darf man sich nicht wundern, wenn einem die Küche um die Ohren fliegt.
Sehr detailreich erzählter Outer-Space-Thriller mit gleich mehreren spannenden Twists.

Das Geheimnis der Quelle
von Sabine Frambach

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Es ist gar nicht notwendig, Lichtjahre weit ins All zu reisen, um Unbekanntes zu entdecken. Schon ein Blick vor unsere Haustür, ein paar Meter unter der Oberfläche, befindet sich eine verborgene Welt voller Geheimnisse.
Um manche dieser Orte ranken sich Sagen, in denen von fremden Wesen berichtet wird, die mal freundlich und mal aggressiv auf Menschen reagieren. Mit solchen Geschichten versuchen wir das Unaussprechliche in Bilder zu fassen, die wir verstehen können, doch selten treffen sie den wahren Kern dessen, was sich dort wirklich verbarg oder verbirgt.
Schon immer besonderes faszinierend sind Gewässer und ihre unergründeten Tiefen. Mal sind es Tore in andere Welten, mal beherbergen sie Wesen, die womöglich lieber in Ruhe gelassen werden möchten.
Rund um den Blautopf erzählt man sich schon seit vielen Generationen Geschichten über unerklärliche Ereignisse und Begegnungen mit Wesen, die nicht von dieser Welt zu stammen scheinen.
Sabine Frambach taucht mit uns im wörtlichen Sinn in die Welt des Blautopfs und erzählt von der Erkundung der lichtlosen Tiefe des Gewässers und deren nur über das Wasser erreichbaren Höhlen.
Dort, tief unter dem Fels, findet die Taucherin Muriel den Ursprung all dieser Sagen und wird Teil einer ganz neuen Geschichte, die man sich vielleicht noch viele Jahre später erzählen wird, wenn man vom Blautopf spricht.

Das Objekt
von Jonathan J. Anders

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Wenn wir irgendwann einmal auf ein künstliches extraterrestrisches Objekt treffen sollten, werden wir geprägt sein von kollektiven Bildern, die zumeist aus Science-Fiction-Filmen und -Geschichten stammen. Kombinieren wir dieses Kaleidoskop an mal mehr mal weniger für die Menschheit katastrophal ausgehenden Szenarien mit dem stärksten menschlichen Gefühl, der Angst, kann man sich an den Fingern einer Hand abzählen, dass der Ausgang dieses Erstkontakts in einem Desaster enden muss.
Jonathan J. Anders erzählt in rasantem Tempo, wie schnell eine zuerst wissenschaftliche Mission eskalieren kann, sobald wirtschaftliche und politische Interessen in den Vordergrund treten.

Aber vielleicht haben wir alle dabei versäumt einzukalkulieren, dass extraterrestrisches Leben nicht zwangsläufig den uns bekannten menschlichen Mustern folgen muss.

Der Bjakuda
von J. A. Hagen

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Die Menschheit sehnt sich seit dem ersten Blick zu den Sternen nach der Antwort auf die Frage, ob es da draußen noch andere Wesen gibt.
Bekommen wir allerdings dann tatsächlich extraterrestrischen Besuch, lassen die Probleme garantiert nicht lange auf sich warten.
Wenn es schlecht läuft, ähneln die Charakterzüge der Aliens den unseren und in Kombination mit nicht-menschlichen Fähigkeiten, wären wir den guten wie den schlechten (meist häufiger auftretend) Absichten der Besucher hilflos ausgeliefert.

Dass auch keine Polizeibehörde dagegen etwas ausrichten kann, erzählt J. A. Hagen in seiner humorvollen, mit Pheromonen angereicherten Kurzgeschichte über ein Alien, einen Cop und eine Katzenhalterin.

Der Reiter
von Helge Lange

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Wenn die Menschheit gezwungen sein wird, die Erde zu verlassen, wird sie vieles hinter sich lassen müssen und sowohl auf dem Mond als auch auf dem Mars Bedingungen vorfinden, die nicht mehr dem Leben auf der Erde entsprechen. Es wird wesentlich anstrengender werden, als es momentan noch wie selbstverständlich und einfach auf der Erde funktioniert. Trotz Terraforming und allmählicher Anpassung des menschlichen Körpers, trotz genetischer Experimente und transhumanistischer Technologien.
Helge Lange erzählt, wie letzten Endes das Leben außerhalb der Erde scheitert und eine Rückkehr auf den Mutterplaneten nicht so vonstatten geht, wie man sich das vielleicht vorgestellt hat. Denn plötzlich hängt die Re-Kolonisierung der Erde allein von einem sprechenden Pferd und dem letzten Rest Mensch ab.

Ein unterhaltsamer und humorvoller Cyber-Western mit intelligenten und überraschenden Twists.

Der sensible Planet
von Christian Hornstein

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Was erwarten wir eigentlich, bei dem Versuch einen extrasolaren Planeten zu besiedeln? Einen der Erde mehr oder minder identischen Planeten? Lebensbedingungen, die den unseren in etwa gleichen? Allein schon die Planeten unseres Sonnensystems beherbergen Bedingungen, die so dermaßen von erdähnlichen verschieden sind, dass man sich nicht einmal in den entferntesten Phantasien ausmalen kann, was da im schwarzen All noch auf uns wartet. Sicher, die Astronomen würden uns bestimmt einen Planeten aussuchen, der in etwa die Atmosphäre der Erde (in gesundem Zustand!) hat und auch innerhalb der habitablen Zone nahe eines Sterns (oder zweier?) seine Bahnen zieht.
Doch welche Kombinationen aus Atmosphäre, Oberfläche, Fauna und Flora (und anderer Biota?!) wir nach einer langen … seeeeehr langen Reise auf der Oberfläche einer möglichen zweiten Heimat erwarten können, gleicht doch eher den Permutationen eines kosmischen Lottospiels.

Christian Hornstein entführt uns auf einen Planeten, der einen nicht erwarteten Einfluss auf seine neuen Bewohner_innen hat, die so manches verändert.

Die Anspruchsvollen
von Moritz Boltz

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Eltern haben auch dann noch Einfluss auf uns, wenn wir längst erwachsen sind und sie eigentlich keinen Einfluss mehr haben. Selbst wenn sie der Pflege bedürfen oder schon tot sind, verfolgen uns alte Kindheitsmuster. Manchmal nur in unseren Träumen, manchmal auch wenn wir wach sind. Manchmal bemerken wir ihren Einfluss monatelang nicht, nur um uns von einem Augenblick auf den nächsten wieder wie ein hilfloses Kind zu fühlen.

Moritz Boltz lässt seine Protagonistin ihre problematische bis traumatisierende Beziehung zu ihrem dominanten Vater während seines letzten Lebensabschnitts verarbeiten, während sie die Verantwortung für ihn, aber mit noch so vielem nicht abgeschlossen hat. Wie kann ein Kind seinen Eltern vergeben, wenn es für ihre Reue schon längst zu spät ist?
Eine sehr tief gehende, einfühlsame und zu denken gebende Kurzgeschichte von Moritz Boltz.

Eltern können so viel falsch machen, während sie nur so wenig richtig machen müssten.

Die Reisenden
von Sophie Fendel

[Image source: genAI, Nano Banana Pro Pro]

Mit der Erforschung fremder Welten und der Kontaktaufnahme mit extraterrestrischen Wesen ist das so eine Sache. Uns bleibt dummerweise nichts anderes übrig, als fremde Lebensformen mit dem zu vergleichen, das wir bereits kennen. Und wir Erdlinge kennen eben nur die terrestrische Fauna und Flora (und Funga … bzw. ist die Einteilung doch etwas komplexer und scheinbar noch nicht endgültig abgeschlossen) … kein wirklich umfangreicher Erfahrungsschatz, verglichen mit den ungezählten Galaxien, den noch zahlreicheren Sonnensystemen mit ihren potentiell Leben beherbergenden Planeten oder Monden.
Da sollte jeder Erstkontakt wohl durchdacht sein und im Zweifelsfall eher auf ihn verzichtet werden. Wenn man aber schon jahrelang durchs All trudeln, ist es allerdings mehr als verständlich, dass man mit jeder Lebensform kommunizieren möchte, die einem begegnet. Ob das auf Gegenseitigkeit beruht, muss dann zwangsläufig ausprobiert werden …
Eine spannende Exodus-Kurzgeschichte mit interessant ausgearbeiteten Charakteren und einem (insbesondere die Crew) überraschenden Ende.

Ein Augenblick im Kuun
von Kornelia Schmid

[Image source: genAI, Byte Plus Seedream 5.0 Pro]

Es ist ein schöner Gedanke, dass die kolonialistisch-imperialistischen Mächte mit ihrer lebensverachtenden Zerstörung aufhören würden, wären sie nur ein einziges Mal am Ort ihrer rücksichtslosen Vernichtung von Biotopen.
Die Wahrscheinlichkeit ist zwar nicht hoch, denn zumeist zeichnen sich die Weltenzerstörer nicht gerade durch überbordende Empathie, sondern eher durch megalomanen Narzissmus aus … aber hey … vielleicht klappt’s ja doch bei einer/einem.
Eine utopische Dystopie mit einem Hauch von Hoffnung, der mich an Enemy Mine erinnert.

Familienhilfe
von Jol Rosenberg

[Image source: Screenshot in Zerbrochenes-Glas-Optik der Kurzgeschichte 'Familienhilfe' von Jol Rosenberg]

Immer mehr Menschen benötigen Unterstützung und Hilfe bei Missständen, die unsere Psyche und unser Miteinander betreffen. Kann uns KI plus Robotik dabei unterstützen, psychische und soziale Probleme zu lösen? Wird es bald die/den künstliche_n Psychotherapeut_in oder die/den künstliche_n Sozialarbeiter_in geben?
Als die Einreichungsfrist für die Ausschreibung der Kurzgeschichten für die Anthologie „In andere Welten“ ablief, kursierte die öffentlich zugängliche, kostenlose Version von GPT-3.5 (aka ChatGPT) gerade mal 5 Monate im Netz und keine_r konnte sich so richtig vorstellen, was das auslösen würde. Nach der Dartmouth-Konferenz 1956 und z.B. der Entwicklung von ELIZA Mitte der 1960er kam die Künstliche Intelligenz nicht so wirklich in Gang und trotz ELIZA konnte sich lange Zeit niemand vorstellen, dass jenseits von Science-Fiction KI einmal dafür in Betracht gezogen werden könnte, reale psychologische Beratung durchzuführen.
Heute sprechen wir wie selbstverständlich davon, dass KI in bestimmten Phasen der Psychotherapie Einsatz finden könnte.

Jol Rosenberg geht in ihrer Kurzgeschichte, die, wie erwähnt in die Zeit fiel, als ChatGPT gerade „das Laufen“ lernte, noch zwei Schritte weiter. In „Familienhilfe“ wird der mit KI ausgestatteter Android vom Bergbau-Roboter G3E zur ‚Super Nanny‘ umgeschult und soll eine bereits mehrfach an menschlicher Hilfe gescheiterten Familie in prekären Verhältnissen unterstützen.
Obwohl nichts wirklich so wie geplant verläuft und G3E mehr ungeklärte Fragen als befriedigende Antworten erhält, zeigt der Einsatz Wirkung. Allerdings stößt die auf Rationalität geichte Methodik der Maschine ständig auf die Unlogik und Widersinnigkeit des menschlichen Verhaltens, was G3E mehr als einmal an den Rand der Verzweiflung treibt und er kurz vor dem Aufgeben steht. Doch, so wenig messbar die Unterstützung auch sein mag, sind Zuhören, stetes Anbieten von Hilfe, Empathie, Hartnäckigkeit und 24/7 da zu sein, die Zutaten für eine mögliche Verbesserung der Situation aller Beteiligten, ob mit oder ohne KI.

Floating
von Simone Bauer

Freelancer
von Ilja Kaufmann

Geburtstage auf Alphasoft
von Yvonne Tunnat

Gott ist tot – Verehret die Maschine
von C. Gina Riot

Herr Gott
von Soenke Scharnhorst

Ich bin Quai
von Ralph Edenhofer

Macawrongs
von Sarah Jahed

Menschgemacht
von Janne Reuel

Ophion
von Maximilian Wust

Schwarzer Draht
von T. B. Persson

Selbsterkenntnis
von Joachim Tabaczek

Terraf@rmer
von Christian Endres

Toiberanium
von Tea Loewe

Transstellare Substitution
von Odine Raven

Von Menschen und Mechanischen
von Ulf Fildebrandt

X.501
von Veronika Carver

Zwischenstopp zum Biertanken
von Kai Focke