Was wird eigentlich aus Drohnen, wenn sie nicht mehr benötigt werden? Mal von den Modellen abgesehen, die ihren Dienst in Kriegsgebieten mit der Zustellung von Bomben verrichten. Ich ging ja fälschlicherweise davon aus, dass sie, wie im Grunde jedes technische Gerät, nach ein paar Jahren verschrottet und bestenfalls im chinesischen Guiyu landen, um dort einem eher ökonomisch als ökologisch geleiteten Recycling zugeführt zu werden. Doch mit dem Einsatz von KI und der sich anpassenden Rechtslage könnte sich das womöglich ändern. Vielleicht bekommen KI-gestützte Maschinen eine Art Mitspracherecht, was nach Dienstende aus ihnen geschehen soll. Schließlich arbeitet man nicht umsonst darauf hin, dass Soft- und Hardware ein Bewusstsein entwickeln sollen. Und sobald man das erreicht haben wird, wird so manches Gesetz wahrscheinlich um einiges schneller novelliert als dies beim Tierschutz je geschehen ist. So hat auch die Zustellungsdrohne inmitten eines weihnachtlichen Schneesturms eine lange, bewegte und auch traumatisierende Geschichte hinter sich. Doch genau diese Erfahrungen helfen der Drohne, eine sich gleich in mehreren lebensbedrohlichen Situationen befindliche Familie, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Kaum einer versteht es so gut, unbelebter Materie so viel Menschlichkeit zu verabreichen, wie Christian Endres. Ich frage mich, ob und wann es endlich eine Kurzgeschichtensammlung von ihm geben wird. Eine faszinierende, spannende und herzerwärmende Kurzgeschichte, die sich nicht nur für die Vorweihnachtszeit eignet.
Die Digitalisierung mag unaufhaltsam in alle Bereiche unseres Lebens vordringen und große Teile des Analogen ersetzen, aber zum Glück sind Menschen unterschiedlich und neigen zudem irrational zu sein.
Als in Uwe Hermanns Kurzgeschichte ein ganz normaler gestresster Vater für seine Tochter das derzeit angesagteste KI-Gadget, eine hochfunktionale Babypuppe namens Oskar für deren Geburtstag nicht mehr auftreiben kann, verirrt er sich in eine Buchhandlung mit gedruckten Büchern. Auch wenn ihm die Situation mit dem Inhaber etwas merkwürdig erscheint, lässt er sich zu einem völlig aus der Zeit gefallenen Druckerzeignis als Ersatzgeschenk überreden … erlebt danach mehr als eine Überraschung.
Der Mainstream mag uns zwar fest im Griff haben und die Zukunft wird sich von Künstlicher Intelligenz abhängig machen, dennoch bin ich guter Dinge, dass es immer auch eine Retro-Gegenbewegung geben wird, die uns nicht vergessen lässt, Substanz und Seele in unser Leben zu lassen. Ein zauberhafter Appell ans Analoge.