A. T. Wolter: Die Zukunft ist weiblich

Von A. T. Wolter, im Selfpublishing über AmazonKDP.

Rezension:

Micro-Rezensionen zu den einzelnen Texte:

Die letzte Reise der Menschheit

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Wir Menschen verweilen meistens nicht einmal hundert Jahre auf unserem Heimatplaneten und wenn sich nicht grundsätzlich etwas in unserer Genetik ändern sollte, wird sich unsere Haltbarkeitsdauer auch dann nicht allzu sehr ändern, sobald wir technologisch dazu in der Lage sein werden, unser Sonnensystem dereinst zu verlassen. Das mag auch einer der Gründe dafür sein, dass unser zeitlicher Planungshorizont sehr beschränkt und nicht selten lediglich auf ein paar wenige Jahre im einstelligen Bereich begrenzt ist. Trotz dem wir nur so kurz in die Zukunft planen können, neigen wir dazu davon auszugehen, dass sich unser gegenwärtiger Status nie oder nur unmaßgeblich ändern wird. Und ereilt uns in unserer Hybris dann doch eine umfassende Veränderung, sind wir total überrascht und tun so, als ob man das nie hätte erahnen können.

Auch wenn uns im RL ein solches „Überraschungsszenario“ wohl demnächst in Sachen Klimakatastrophe bevorsteht, überrascht uns A. T. Wolter in der ersten Science-Fiction-Kurzgeschichte „Die letzte Reise der Menschheit“ ihrer Anthologie „Die Zukunft ist weiblich“ mit einer ungeahnt langen Reise in ein weit entferntes Sonnensystem, bei der die Hauptfigur und womöglich letzte Hoffnung des menschheitlichen Erbes keine menschliche Frau ist.

In nüchternem Stil lässt sie die Lesenden an den Gedanken und Erfahrungen der Androidin Alia teilhaben, die mit einer so völlig aus dem Ruder (räumlich, zeitlich und missionstechnisch) gelaufenen interstellare Fernreise konfrontiert wird und auf einem ihr unbekannten Planeten gänzlich auf sich allein gestellt ist.

Ein kleiner Reminder an die vermeintlich dominante Spezies der Erde, dass unser Dasein überaus fragil und im Vergleich zu astronomischen Distanzen und Zeiträumen erschreckend unbedeutend ist.

Das Quantenexperiment

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Laborexperimente haben oft, wenn sie in der Außenwelt durchgeführt werden, die Angewohnheit, keine, andere oder weniger geplante Auswirkungen zu haben. Manchmal, und gerade wenn sie mal schiefgehen, haben sie sehr wohl Auswirkungen auf die Außenwelt und im ungeschicktesten Fall sehr extreme.
So muss sich die Wissenschaftlerin in A. T. Wolters Kurzgeschichte mit einer kleinen Abweichung bei ihrem Quantenexperiment und deren enormen Auswirkungen befassen. Erstaunlich rational und unpanisch verarbeitet Lisa die unerwarteten Informationen und zieht die vermeintliche Katastrophe wie ein weiteres Experiment selbstständig und akribisch durch, bis sie wieder die Kontrolle zurückerlangt.

Der Preis der Erinnerung

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Dinge aus der Vergangenheit ungeschehen zu machen, war wahrscheinlich schon bei jeder/jedem von uns mal auf dem Wunschzettel. Es dann aber wirklich möglich zu machen, ist dann doch eine gänzlich andere Hausnummer.

Zwar war mir der Grund einer Rückkehr in die Vergangenheit in dieser Kurzgeschichte nicht so wirklich klar … ein Typ, der einen verlässt, nur weil man beim Versuch, Geld zu verdienen, auf einem Asteroiden strandet und deshalb zu spät zur eigenen Hochzeit kommt, ist es meiner bescheidenen Ansicht nicht wert, das Raum-Zeit-Kontinuum zu verbiegen. Aber letzten Endes war vielleicht die Entscheidung der Protagonistin am Ende genau das, was das Alien von Keppler 22b mit „Ich kann dir helfen, wieder glücklich zu sein, Elena.“ gemeint hat 😉

Der Marsgarten

[Image source: genAI, Flux.2 Pro]

Wollen wir andere Planeten besiedeln oder dauerhaft auf einer Raumstation oder einem Raumschiff leben, wird es nötig sein, nicht nur die technische Machbarkeit im Blick zu behalten. Technik ist wartungsintensiv, verschleißt und hat die Angewohnheit, ständig in unregelmäßigen Abständen einen Defekt aufzuweisen. Das mag in lebensfreundlicher Umgebung normal und kompensierbar sein, auf einem lebensfeindlichen Planeten oder in der Kälte des Alls kann jeder kleine Schaden den Tod bedeuten.
Umso mehr werden wir lernen müssen, natürliche Prozesse mit Technik zu kombinieren, und die Natur dort einzubinden, wo sie über viele Jahrmillionen mehr Erfahrungen hat als wir mit unseren wenigen Jahrtausenden Technikerfahrung.

Zwischen zwei Sonnen

Das letzte Kind