„In „Hand, Herz und Hose“ beschreibt Theresa Hannig eine solche hyperkapitalistische Welt, in der die Menschen auf Plattformen ihre Dienste gegen Honorar anbieten. KIs überwachen alle Aspekte des Lebens und sorgen für größtmögliche Effizienz. Allerdings nicht mehr dann, wenn die Protagonistin mal wieder einen Störauftrag erhalten hat. Dann könnte es sein, dass diese gut geölte Maschine ins Stocken gerät …
Dabei hat eine Automatisierung in bestimmten Bereichen, wie etwa in der Pflege, das Potential, alle Beteiligten zu entlasten. Hier könnte eine KI helfen, alle Prozesse optimiert am Laufen zu halten. Doch wenn es um das Leben als solches und die Frage nach Effizienz geht, ist es nicht so einfach, wie es oberflächlich scheint.“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 11)
„Die Geschichte „Die moralische Instanz“ von Heidrun Jänchen macht überdeutlich, welche ökonomischen Parameter dem moralischen Handeln entgegenstehen.“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 11)
„Auch in „Wiederverwertung“ von Jol Rosenberg geht es um eine philosophische Grundüberlegung. Rosenberg geht zurück zu den Ursprüngen des Roboters (wie in der Einführung von Julia Grillmayr erläutert) und stellt die Frage nach den Abgrenzungen zwischen einem Menschen und einem künstlich geschaffenen Werkzeug als Arbeitnehmer*in. Unter welchen Voraussetzungen gilt man für einen Konzern als Eigentum, wann als Person?“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 11)
Der Tag, an dem der Fahrstuhl stecken blieb
von Franziska Rarey
„Franziska Rarey wendet sich in „Der Tag, an dem der Fahrstuhl stecken blieb“ der Frage zu, welche Auswirkungen es für unserer Gesellschaft hat, wenn all die Arbeit an automatisierte Systeme abgegeben werden kann. Was bleibt für uns Menschen dann noch zu tun? Was hält uns dann noch aktiv? Ihre Antwort lautet: ein vielfältiges Angebot an Fortbildungen. Doch dass diese Lösung auch jede Menge Probleme mit sich bringt, zeigt sie durch den in einer frustrierenden Schleife festhängenden Protagonisten.“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 11)
Meer aus schwarzem Glas
von Michael Edelbrock
„So sind es in der Welt, die Michael Edelbrock in „Meer aus schwarzem Glas“ beschreibt, die KIs, die die Weltwirtschaft steuern und über alle Ressourcen wachen. Die Menschen beziehen ein Grundeinkommen und können sich den Projekten widmen, die den eigenen Talenten und individuellen Wünschen entsprechen, darunter durchaus auch große Infrastruktur-Projekte, wie das titelgebende ‚Meer‘ aus Solarzellen, das die Protagonistin ausbauen möchte, um die globale Energiegewinnung grüner zu machen.“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 59)
„In Sonja Hermeneits Geschichte „JobXchange“ wiederum arbeiten die Menschen noch – ob dies zur Existenzsicherung erforderlich ist oder nicht, bleibt unerwähnt. Sicher aber ist, dass KIs die Arbeitsplatzwahl maßgeblich bestimmen, wodurch die Zuordnung von Tätigkeit und Mensch und zugleich die Entfaltung individueller Fähigkeiten und Talente optimal gewährleistet werden soll. Hier kommt das JobXchange-Programm ins Spiel, mit dem man alle paar Jahre den Beruf wechseln muss und so kontinuierlich neue Erfahrungen macht – auch wenn die in dieser Geschichte agierende Protagonistin ein paar durchaus verständliche Berührungsängste hat …“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 59)
„In ihrer Geschichte „Glückssache“ zeigt Melanie Vogltanz zwei beispielhafte Perspektiven in einer Welt, in der jeden Tag aufs Neue um das eigene Überleben gekämpft werden muss. Soziale Systeme wurden privatisiert und auf eine Lotterie reduziert. Jeden Tag quälen die Menschen existentielle Fragen: Ob ich am Abend genug Geld für die Bahn habe? Wenn ich stürze, kann ich im Krankenhaus behandelt werden? Auf extrem fragilem Niveau ist jede und jeder des eigenen Glückes Schmied.“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 75)
„In „Flow“ wiederum stellt Annika Zinn die Frage, wie weit Corporations gehen würden, um ihren Profit zu maximieren. Eine Reporterin steht vor der Entscheidung, sich dem Spiel der Großen zu ergeben oder eine ehrliche Reportage zu schreiben über das, was sie auf der schwimmenden Fabrik eines Textilgiganten herausgefunden hat „ (Schmeink und Schneider 2021, S. 75)
Westcorp Crunchypops
von Alex Simona
„Anja Segschneider zeigt in ihrer Geschichte „Westcorp Crunchypops“ auf, wie schwer es sein kann, aus dem sozialen Abseits einen Weg herauszufinden, existenzbedrohende Hindernisse zu überwinden und sich in der von Corporations dominierten Welt einen Platz zu erkämpfen. Wenn immer mehr Jobs automatisiert werden, kann der Kampf darum tödlich enden.“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 75)
„Auch in Lena Richters „3,78 LifePoints“ geht es ums nackte Überleben. Amiis Welt verlangt es, jeden Auftrag anzunehmen, damit man sich das Lebensnotwendige auch leisten kann. Amii will endlich genügend LifePoints und Credits für den Kauf technischer Hilfsmittel ansparen, um eine starke Angststörung abzumildern. Denn ohne die Hilfsmittel ist die Arbeit eine Höllenqual. Gibt es einen Ausweg aus dem Teufelskreis?“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 75)
„In Karlheinz Steinmüllers „Sind sie Sklaven?“ etwa regeln die künstlichen Intelligenzen unseren Energiebedarf und damit die Entropie im geschlossenen System Erde. Doch was passiert, wenn auf einmal mehr Entropie entsteht, als berechnet? Wer hat hier die perfekt austarierten Werte verlassen und bringt das Gleichgewicht in Gefahr? Eine junge Entropieberaterin geht der plötzlich auftretenden Überproduktion nach.“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 135)
„Malte Aurichs „Nach all diesen Jahren“ wiederum zeigt auf, dass eine Wandlung hin zur KI-Technokratie nicht ohne Spuren an uns vorbeigehen dürfte. Ein Klassentreffen gibt einigen alten Schulfreunden die Gelegenheit, sich über die Veränderung der Welt zu unterhalten und darüber zu spekulieren, was nötig war, um die KIs an die Macht zu bringen und was erforderlich ist, um sie an der Macht zu halten.“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 135)
Bad Data
von Tanja Binder
„In „Bad Data“ fragt sich Tanja Binder, was wohl passiert, wenn die KI-Technokratie einerseits unser Leben bestimmt, aber die menschliche Gier noch nicht ganz verschwunden ist. Wer wird die Oberhand gewinnen? Die Computersysteme oder die Menschen, die sie geschaffen haben?“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 135)
„Judith und Christian Vogt etwa beschreiben in „Das Eden Protokoll“ einen Moment der Entscheidung, ein Ereignis, das nicht vorauszusehen war. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Frage: Wenn KIs die Welt steuern, welche Ziele verfolgen sie dabei? Und was, wenn ein einzelner Mensch mehr Einfluss zu nehmen vermag, als wir immer angenommen haben?“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 165)
„Zum Abschluss unserer Anthologie zeigt Alessandra Reß in „Dialog im Baltikum“, dass die Arbeit der Zukunft nicht immer nur die ganz großen Dinge verändert. In der Momentaufnahme der Geschichte verläuft ein Gespräch während einer Zugfahrt so ganz anders als heute, während sich so manches im Übermorgen nicht ändert.“ (Schmeink und Schneider 2021, S. 165)