Bambusbecher und Bambusgeschirr – Wer’s richtig machen möchte, sollte keine menschlichen Produkttester bewerten lassen

Produktbewertungen zu lesen kann nervig sein. Manche machen das gerne, manche überhaupt nicht. Manche lesen sogar sehr exzessiv alle Bewertungen eines Produkts, gleichgültig, welches Datum bei der Bewertung steht. Womöglich sind das auch diejenigen, die die Beipackzettel von Arzneimittel vollständig lesen … mit allen positiven und negativen Konsequenzen.

Produktbewertungen zu verfassen ist aber noch eine ganz andere Nummer. Wer opfert seine kostbare Zeit, Produkte zu analysieren, Sterne oder sonstige Punkte zu vergeben und dann seine/ihre Analyse auch noch in einen lesbaren Text zu gießen?

Mutmaßlich sind das nicht nur Exemplare einer bestimmten Konsumentengruppe. Dass man oft mehr schlechte als gute Bewertungen eines Produkts vorfindet, muss nicht zwangsläufig repräsentativ für die Qualität des Produkts sein. Schließlich neigen meiner Einschätzung nach frustrierte Konsumenten eher dazu, einen Verriss zu verfassen, als dass zufriedene Käufer eine Lobeshymne texten. Dass das sich im Handel schon längst herumgesprochen hat, ist kein Geheimnis. Auch nicht die Maßnahmen, die diesem „Missstand“ entgegenwirken sollen. Der eine versucht seine Bewertungen zu manipulieren, indem er die schlechten herausfiltert … eine übrigens ziemlich schlechte Idee, sollte mal ein engagierter und einflussreicher Schreiberling darauf aufmerksam werden … der andere engagiert professionelle Produkttester, die „etwas“ wohlwollender bewerten.

Wenn man es dauerhaft richtig machen möchte, ist natürlich die ehrliche Variante, die beste: alle Bewertungen zulassen, schnell und ausführlich reagieren und das schlechte Produkt analysieren sowie ggf. aus dem Sortiment nehmen.

Aber wer hat schon die Zeit dazu bzw. möchte diesen Aufwand bezahlen?

Da ist es schon wesentlich kostengünstiger eine Pseudo-Transparenz zu praktizieren.

Es sei hier kurz erwähnt: Ich bin ein kleines, nicht-professionelles Konsumenten-Licht, dass sich hier bequemt, einen subjektiven Eindruck eines selbst erlebten Falles niederzuschreiben.

‚Bambus‘ als Material für Geschirr

Es betrifft in meinem Fall das Thema ‚Bambus‘ als Material für Geschirr.

Dass Bambus nicht automatisch total toll ist, sollte jedem einigermaßen klar denkenden Konsument/in klar sein. Aber gut … gesunder Menschenverstand ist bekanntermaßen stark aus der Mode gekommen. Das ist aber ein anderes Thema.

Bambus wird zurzeit gerne verarbeitetet, weil es dem Konsument/in suggeriert, er/sie tue etwas für die Umwelt und verhindere die Verwendung von Kunststoffen/Plastik.

Das wäre halbwegs richtig, wenn es sich immer um reines Bambus handeln würde. Also um den geschnittenen und getrockneten Halm einer Bambuspflanze. Wenn man also an einen solchen Bambushalm kommt, sägt ihn eine Handbreit quer über dem Knoten durch … et voilà, der Bambusbecher ist fertig. Naja, beinahe, denn eigentlich ist die Trennschicht zwischen den Internodien nicht wasserundurchlässig, folglich müsste man den „Becherboden“ versiegeln.

Die gängigen Bambusbecher sind allerdings aus zermahlenen Bambusfasern hergestellt, die mit einem Klebstoff in Form gebracht werden. Eine gute Beschreibung findet sich bei Stiftung Warentest.

Andere Bestandteile von Bambusgeschirr werden oft durch das Pressen sogenannter ’strands‘ (geschnittene und aufgespaltene Halme) hergestellt. Hierbei sind bestimmte Temperaturen und ein entsprechendes Bindemittel erforderlich. Insbesondere die Wahl des Bindemittels soll hier näher betrachtet werden. Zudem werden die daraus entstehenden Produkte (wie z.B. Deckel für Behälter) noch mit einem Lack versehen, der die Oberfläche abdichten bzw. aufhübschen soll.

Fazit: Bambus als Geschirr oder Geschirrbestandteil ist keineswegs ein reines Naturprodukt.

Jetzt kommt es natürlich auf die oben erwähnten Bindemittel und Lacke an. Enthalten diese Bestandteile, die gesundheitsschädlich sind, muss unterschieden werden, wie und unter welchen Umständen diese die Gesundheit beeinträchtigen können.

Beim Herstellungsprozess kann drauf geachtet werden, dass die schädlichen Stoffe im Werk ausgasen und somit im Regal einigermaßen unschädlich sind. Das kostet aber Zeit und damit Geld. Folglich weiß man nie so wirklich, ob der Hersteller darauf geachtet hat, die Produkte lange genug bei entsprechenden Bedingungen ausgasen zu lassen.

Einer der fraglichen Stoffe hier ist Formaldehyd. Es verbirgt sich im Melaminharz, das gerne als Bindemittel verwendet wird. Wie so oft spielt vor allem die Stoffkonzentration eine Rolle, ob Formaldehyd toxisch/karzinogen ist.

Aber auch die Temperatur derjenigen Lebensmittel, die mit dem „Bambus“ in Kontakt kommen sowohl der Fettgehalt spielen eine Rolle, ob und wie Bestandteile herausgelöst werden. Eine ganz schlechte Idee ist es, heiße (frischer Kaffee) oder sehr fetthaltige (Olivenöl) Lebensmittel mit der Oberfläche dieses verarbeiteten Nicht-Naturprodukts in Kontakt zu bringen.

Doch, wie soll das der Konsument bewerten? Nicht jeder hat eine Chemielaborant/innen-Ausbildung hinter sich oder gar ein kleines Chemielabor in der eigenen Wohnung, um mal eben Analysen durchzuführen. Man ist auf die Glaubwürdigkeit der Hersteller bzw. Händler und stichprobenartiger Tests durch unabhängige Labore angewiesen. Es ist bei der Vielfalt der Produkte ein quasi sinnloses Unterfangen, exakt zu dem selbst erworbenen Produkt eine verbindliche Aussage zu finden.

Produktbewertungen bei IKEA

Was macht also der/die durchschnittliche Konsument/in? Man schaut auf die Produktbewertungen, die einem der Händler evtl. zur Verfügung stellt.

In diesem Fall möchte ich auf meine Erfahrungen mit Ikea eingehen.

Was habe ich gekauft? Um was genau soll’s hier gehen? Es geht um den rechteckigen „Bambus“-Deckel der Glasbehälter IKEA 365+.

Rein optisch sprach mich der mit einem „Bambus“-Deckel versehene Glasbehälter sehr an. Auch die Funktion war in Ordnung, denn der Deckel schloss mit seiner Silikonlippe ganz ordentlich ab. Also: Behälter und Deckel gespült und Gemüse reingepackt.

Schon beim Auspacken verströmte der Deckel einen leicht stechenden Geruch, über den ich mir anfänglich keine Gedanken gemacht habe. Schließlich „duften“ brandneue Produkte immer ein bisschen komisch. Ich konnte nicht herausfinden, ob der Geruch vom Deckel selbst oder von der Dichtungslippe stammte. Der Deckel selbst ist seitlich mit einer Nut versehen, in die die Lippe eingesetzt wird. Es hätte also sein können, dass die Oberfläche des Deckels, das Innere des Deckels (Nut) oder die Dichtungslippe roch.

Als dann aber nach mehrfachem Gebrauch inkl. Ausspülen der Deckel und auch die Nahrungsmittel weiterhin diesen Geruch verströmten, war ich skeptisch, was ich da denn einatme bzw. zu mir nehme. Nach kurzer Netzrecherche zu Bambus und Geschirr stieß ich auf diverse Rückrufaktionen und eine Stellungnahme des BfR zu Bambusbechern. Da ich nichts über meine „Bambus“-Deckel fand, beschloss ich, mich als Laien-Produktbewerter bei Ikea zu versuchen.

Gesagt, getan. Meine Bewertung (2 Sterne) wurde sogar relativ schnell online gestellt. Das stimmte mich schon mal recht positiv, da ich insgeheim befürchtete, dass negative Bewertungen herausgefiltert werden. Zudem erhielt die Bewertung sogar eine Antwort von Ikea, die allerdings nur auf eine mir zugesandte Mail verwies. Schade, dachte ich. Warum antwortet Ikea nicht direkt auf meine nicht wirklich knappe Bewertung? War ich vielleicht noch zu wenig konkret? 😉

Naja, auf alle Fälle bekam ich tatsächlich eine Mail von Ikea, die allerdings wenig erhellende Aussagen erhielt.

Da war zu allererst ein Hinweis, dass der Deckel mit dem renommierten Designpreis ‚Good Design Award‘ ausgestattet worden sei. Toll! Aber extrem wenig hilfreich, was meine Bedenken zu ausgasenden Stoffen angeht.

Dann wurde mir mitgeteilt, dass es bisher keine Beschwerden gäbe oder Probleme mit dem Produkt bekannt wären. Naja … wofür hat Ikea mich, dachte ich.

Dann wurde es etwas konkreter, wenngleich mit einigen Fragezeichen meinerseits versehen. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Deckel „aus dem Naturmaterial Bambus“ bestehe und „mit Klarlack auf Nitrozellulosebasis überzogen“ sei. Über den Dichtungsring erhielt ich die Auskunft, er sei aus Silikonkautschuk.

Okay … dass verarbeiteter Bambus keinesfalls mehr ein Naturmaterial ist, hatten wir ja bereits weiter oben abgehandelt. Es wurde allerdings nicht darauf eingegangen, welches Bindemittel hier Verwendung fand. Nachtigall ick hör dir trapsen! Wenigstens ging Ikea auf den Lack ein, wenngleich „Nitrozellulosebasis“ lediglich die Lackfamilie beschreibt und nichts über die tatsächlichen Bestandteile aussagt. Eine Zusammensetzung des Lacks (ohne total geheime Prozentangaben machen müssen) wäre nett gewesen. Ganz allgemein gesprochen, vertrete ich die unwesentliche Meinung, dass Nitrolacke nicht in die Nähe von Lebensmittel gehören.

Witzigerweise folgte dann ein subtiler Hinweis darauf, dass ich tumber Konsument das Produkt womöglich fehlerhaft gehandhabt hätte, indem mir Ikea mitteilte, dass der Deckel nur von Hand gespült werden dürfe und nicht für die Mikrowelle geeignet sei.

Nun, in diesem Fall hatte ich sogar mal mein bisschen Grips aktiviert und den Deckel tatsächlich nur mit der Hand gespült und bislang nicht in die Mikrowelle gesteckt. Man ist ja schließlich schon ein paar Jahre auf der Welt und weiß, wie Holz (jaja, ich weiß, Bambus ist kein Holz, aber sieht nach der Spülmaschine genauso bescheiden aus) nach einem Spülmaschinenwaschgang aussieht. Auch kennt man ja, welch lustige Formen elastische Materialien wie eine Dichtungslippe in der Mikrowelle annehmen.

Dann kam der obligatorische Hinweis, dass man sich bzgl. weiterer Fragen gerne an Ikea wenden könne und zudem die Möglichkeit der Rückgabe hätte.

Dann wurde es merkwürdig…

Schön, dachte ich … jetzt bin ich auch nicht schlauer. Aber da ich nicht nur ein Behältermodell erworben hatte, sondern noch ein anderes (quadratisches), deren Deckel ebenfalls stechenden Geruch absonderte, entschloss ich mich, dieselbe Produktbewertung der Ikea-Community bereitzustellen. Prompt wurde die Bewertung mit dem Hinweis, sie verstieße gegen die allgemeinen Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen abgelehnt.

Mhmm … da es sich um den exakt gleichen Wortlaut handelte, verwunderte mich diese Rückmeldung doch ein wenig. Gestattet Ikea vielleicht keine zwei eher schlecht ausgefallenen Bewertungen hintereinander? Man weiß es nicht.

Schließlich erhielt ich alsbald einen Anruf … von Ikea … !

Ich kam mir schon sehr wichtig vor, dass sich Ikea dazu entschlossen hatte, ausgerechnet mich dazu auserkoren zu haben, einen Anruf wert zu sein. Bei diesem Anruf teilte man mir mit, dass sie gerne das Produkt in ihren Laboren testen lassen würden und darum bitten, es zu einer Ikea-Filiale zu bringen. Fand ich schon mal prima. Ein Zeichen dafür, dass sich Ikea um die Beschwerden der Kunden kümmert. Aber, ich bin jetzt kein allzu exzessiver Ikea-Junkie und vermeide eigentlich den doch recht aufwändigen Gang zum Ikea, weshalb die Deckel (Stand heute) noch immer bei mir liegen. Beim nächsten Einkauf werde ich aber dieser Aufforderung gerne nachkommen, wenngleich ich noch mit dem Gedanken spiele, die Deckel auf eigene Kosten an ein Labor meiner Wahl zu übersenden. Ich hadere noch.

Was sich aber inzwischen auf der Ikea-Bewertungsseite des besagten Deckels getan hat, ist eine weitere Bemerkung wert. Inzwischen stieg dank durchweg hervorragender 5-Sterne-Bewertungen die Durchschnittsbewertung wieder auf 4,3 Sterne an. Keine Ahnung mehr, welchen Durchschnitt der Deckel, als er noch relativ wenige Bewertungen hatte, nach meinen zwei Sternen, aber ich darf doch anmerken, dass dieser Deckel inzwischen mit Abstand die meisten Bewertungen sein Eigen nennen darf. Nachtigall ick hör dir schon wieder trapsen 😉

Auch darf ich dezent anmerken, dass die bewertenden Texte allesamt sehr kurz und orthografisch grenzwertig ausgefallen sind. Ein Schelm, wer hier vermuten würde, dass professionelle Produkttester/-bewerter/innen auf speziell dieses leicht nach unten gerankte Produkt angesetzt worden sind, um den Durchschnitt zu optimieren.

Ich frage mich, ob es generell nicht sogar besser (unauffälliger) wäre, wenn Händler für ihre Bewertungsbereiche statt schlecht bezahlter und schnuddelig schreibender Menschen eine der deutschen Rechtschreibung mächtigen und weitaus differenzierter schreibende KI-gesteuerte Software verwenden würden. Derlei KI-Systeme generieren doch inzwischen weitaus glaubwürdige Texte als es der stressgeplagte Mensch tun würde. Nur so eine Idee.

Aber wer bin ich schon, dass ich das beurteilen könnte?

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