Niemandsland – Aftermath

Niemandsland – Aftermath ist ein sehr nachdenklich stimmender Film (mit einem erstaunlich guten deutschen Titel), der einen sonst seltenen (nie?) Zeitpunkt und eine Konstellation unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeigt.

Das Verhältnis zwischen den Alliierten (hier die Briten im vollständig zerbombten Hamburg) als „Sieger“ des Zweiten Weltkriegs und den Deutschen, unter denen sich naturgemäß nicht nur Nazis befanden, stellt einen sehr interessanten Plot dar. Wie gehen die einst Angegriffenen mit den besiegten Angreifern um? Was denken die Besiegten über ihre Besatzer?

All diese Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt, werden in der Beziehung der drei Hauptfiguren behandelt. Die differenziert gezeichneten Charaktere lassen beim Zuschauer oft Zweifel aufkommen, ob man nicht selbst Verständnis für das vermeintlich böse und verwerfliche Handeln aufbringen sollte.

  • Waren alle Wohlsituierten im Dritten Reich automatisch Nazis oder zumindest deren Unterstützer/Sympathisanten?
  • Sind die Alliierten, die Deutschland von den Nazis befreiten, automatisch auch immer die Guten, die keine Gräueltaten begingen?
  • Wie schuldig sind in Nazideutschland aufgewachsene Kinder und Jugendliche, wenn sie blind auch noch nach der Kapitulation den Befehlen ihres Führers folgen?
  • Kann eine Beziehung zwischen Sieger und Besiegtem so kurz nach Kriegsende überhaupt eine Zukunft haben?
  • Wie führt man sein durch den Krieg bestimmtes Leben weiter, sobald der Krieg beendet ist?

Erstaunlich gut spielt Keira Knightley den Charakter der Rachel Morgen als Ehefrau des britischen Colonel Lewis Morgen (ebenfalls hervorragend gespielt von Jason Clarke). Man kann sich sehr gut in die Gedanken- und Gefühlswelt der drei Protagonisten (der Dritte im Bunde ist der ebenfalls glänzend spielende Alexander Skarsgård, der den gebildeten und betuchten Architekten Stefan Lubert darstellt) hineinversetzen. Kann man den Hass auf einen abstrakten Feind noch aufrechthalten, wenn man mit dem realen Menschen zusammenlebt? Wie viel Energie ist man bereit aufzuwenden, um antrainierten Stereotypen gerecht zu werden? Ist Verzeihen und Liebe möglich, wenn die Gesellschaft um einen herum von Hass, Wut und Rachegefühlen durchzogen ist und es auf beiden Seiten Opfer und Täter gibt?

Wie ich finde, sehr aktuelle Fragen in einer Gesellschaft, die sich kaum noch an einen Krieg im eigenen Land erinnern kann.

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