Gabriel Voss: Taikon – Die Barke des Lichts

Bewertet mit 5 von 5

Woher kommen wir? Wer hat uns und all das um uns herum erschaffen?
Eigentlich ganz einfache Fragen, auf die wir schon seit Menschengedenken Antworten suchen. Gut, es gab schon einmal eine Antwort auf „Was ist die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest?“, aber „42“ hat dann doch nicht wirklich viel erklärt. Und so zerbrechen sich weiterhin kluge und nicht so kluge Vertreter unserer Spezies ihre Köpfe über unseren Ursprung und wechseln dabei fleißig zwischen Wissenschaft und Religion.

[Image source: genAI, Byte Plus Seedream 5.0 Pro]

Gabriel Voss erschafft mit „Taikon. Die Barke des Lichts“ nichts Geringeres als ein exzellentes Science-Fiction-Epos, das diesen Fragen auf den Grund gehen möchte.
Die anfänglich simple archäologische Suche nach dem Ursprung einer fremdartigen Raumkapsel führt Michelle Santars und Alesh Rogan auf eine faszinierende und sehr gefährliche Reise in die Vergangenheit der Menschheit.
Die unumstößliche kosmische Ordnung besagt in der Geschichte, dass die Menschen durch ihre Neuschöpfung über die ‚Barke des Lichts‘ auf Taikon von dem Einen Schöpfer erschaffen wurden und so die fehlgeleitete Altschöpfung überwunden und hinter sich gelassen haben. Das daraus entstandene Taikoner Kaiserreich aus über 900 Systemen beherrscht seitdem das bekannte Universum.
Zusammengehalten wird all das durch eine vom Schöpfungsorden bewachte, alles durchdringende Religion und 13 Kaiserhäuser, die sich die weltliche Macht teilen.

[Image source: genAI, Byte Plus Seedream 5.0 Pro]

Alles scheint seine göttliche Ordnung zu haben, doch der Fund eines uralten Artefakts deutet darauf hin, dass die Schöpfungslehre Lücken aufweist oder gar frei erfunden sein könnte. Weltliche und religiöse Organisationen agieren schon seit Jahrtausenden in der Öffentlichkeit und im Verborgenen, um ihre Macht zu erhalten und weiter auszubauen. Der erklärte Feind ist eine nicht-menschliche Spezies, die man als Karentow kennt, sich aber schon vor langer Zeit an die Außengrenzen des Kaiserreichs zurückgezogen haben und seitdem in einer Art Kaltem Krieg mit dem Taikon befindet. Neben den Karentow leben existieren noch weitere Spezies, von denen die Shinar wohl die geheimnisumwittertsten sind, nehmen aber in der einzig wahren Weltordnung bisher keine nennenswerte Position ein. Doch der archäologische Fund setzt Prozesse in Gang, die niemand vorhersehen konnte … oder vielleicht doch? Plötzlich wird das Kaiserreich durch Aktivitäten erschüttert, die sich im Laufe des Romans zu einem weltenumspannenden Beben entwickeln.

[Image source: genAI, Byte Plus Seedream 5.0 Pro]

Gabriel Voss erzählt sehr spannend und eloquent die Reise zweier Wissenschaftler_innen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind. Doch wie das oft so ist, ist die Wahrheit nicht für alle gleich erstrebenswert, zumal Glaube und Lügen für manche wesentlich bequemer sind. Dabei erschließt er nach und nach ein verzweigtes Geflecht von Macht, Religion und Politik, das sich schon seit sehr langer Zeit über die ganze Galaxie erstreckt. Entlang von Einzelschicksalen, zufälligen Begegnungen und intensiven Freundschaften, aber auch tiefgreifendem Verrat und tödlichen Gefahren und Kämpfen, entschlüsseln seine Protagonist_innen nach und nach uralte Geheimnisse und legen Schicht für Schicht einer Wahrheit frei, die längst in den Tiefen des Alls vergessen schien.

Ein wirklich hervorragendes und spannendes Space-Epos, das von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und immer wieder überrascht. Dabei erschließt sich den Lesenden nach und nach ein umfangreicher Weltenbau, während man daran teilnimmt, wie sich die toll ausgearbeiteten Charaktere entlang der Handlung immer weiterentwickeln.
Ein grandioser Auftakt einer noch lange nicht auserzählten Geschichte.